München. Das "Schwere Akute Respiratorische Syndrom", kurz SARS, macht der deutschen Automobilindustrie zunehmend zu schaffen. Wie eine Umfrage der Automobilwoche unter Fahrzeugproduzenten und deren Lieferanten belegt, hat das Gros der Unternehmen seinen Mitarbeitern Geschäftsreisen nach Hongkong sowie in die südchinesische Provinz Guangdong inzwischen untersagt. Diese Regionen, zu denen auch die unter ausländischen Investoren beliebten Wirtschaftssondergebiete Shenzhen, Zhuhai und Shantou zählen, sind nach Feststellung der Weltgesundheitsorganisation Zentren der hochgradig infektiösen und lebensbedrohlichen Lungenkrankheit SARS.
So werden bei der Kölner Ford-Werke AG "derzeit keine Beschäftigten in die SARS-Hochrisikogebiete China, Hongkong, Vietnam und Singapur" entsendet. Für "Dienstreisen in andere Länder, von denen eine Gefährdung ausgehen kann", gilt, dass sie "nur in dringenden Fällen nach Abstimmung mit dem Gesundheitsdienst durchgeführt werden" dürfen.
Die BMW Group empfiehlt Besuchern aus Hongkong und Guangdong, Reisen zu BMW-Standorten "möglichst zu vermeiden oder zu verschieben". Gegebenenfalls, so ein Sprecher, "weichen wir auf Videokonferenzen aus".
Bei DaimlerChrysler berät der werksärztliche Dienst neuerdings Mitarbeiter grundsätzlich bei geplanten Reisen nach Asien. Die Adam Opel AG hat ein "European Crisis Response Team" installiert.
Beim Zulieferer ZF Friedrichshafen AG, der allein in China acht Produktionsstandorte unterhält, wird eine "deutliche Verschlechterung der Situation nicht ausgeschlossen". Daher existieren "Notfallpläne sowohl in der operativen Verantwortung der Unternehmensbereiche vor Ort als auch strategisch für den Gesamtkonzern". Die Belieferung der Autoindustrie könne "so aus weiteren ZF-Standorten sichergestellt" werden.