Zwar gibt Reithofer auch gegenüber der Mitarbeiter-Zeitung keine allzu sensitiven Firmengeheimnisse preis, doch ist das Gespräch unter der Überschrift "Grenzen überwinden. Zukunft erobern" bis zur letzten Zeile lesenswert. So berichtet der Konzernchef erst in seiner vorletzten Antwort von der Einrichtung zweier neuer Vorstandsausschüsse – "Strategie-Umsetzung" und "Profitabilitätsverbesserung" –, die er selbst respektive der neue BMW-Finanzvorstand Michael Ganal führen werden. Im Mittelteil des Interviews teilt Reithofer einen kaum verhohlenen Seitenhieb in Richtung der Wettbewerber Porsche und VW aus, die derzeit um das Machtgefüge in zentralen Gremien einer künftigen Automobil-Holding nach europäischem Recht ringen: "Wir haben die Chance, unsere Zukunft aktiv zu gestalten", sagt Reithofer mit Bezug auf BMW. "Sind wir in fremder Hand, wird über uns bestimmt". Und: "In den Medien können Sie immer wieder miterleben, welche Auswirkungen dies auch für die Mitarbeiter hat". Auf die Frage wiederum, ob BMW nicht bereits heute profitables Wachstum zu verzeichnen habe, antwortet der frühere Produktionsvorstand mit einer so unmissverständlichen wie ehrgeizigen Zielvorgabe: "Auch wenn Sie daran zweifeln sollten. Wir haben hier noch viel Potenzial. Wir sind noch lang nicht dort angekommen, wo wir hin wollen und hin müssen, um weiterhin Nummer eins zu sein".
Für Verblüffung, bisweilen auch für Heiterkeit in der Leserschaft der "BMW Group Zeitung" sorgte ein Foto des Konzernvorstands, auf dem sich die ansonsten in der Öffentlichkeit stets elegant gewandeten Mitglieder leger in Polo-Shirt, groß kariertem Oberhemd ohne Langbinder oder mit Strickpullover zeigen. Auf dem Bild, das im Rahmen eines der insgesamt neun Strategie-Workshops auf Gut Schwärzenbach am Tegernsee entstand, ist allein Norbert Reithofer mit einem Sakko bekleidet. Entgegen sonstiger Gewohnheit trägt es der BMW-Lenker allerdings betont locker – ohne Strunztuch und Krawatte.