Wolfsburg. Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen AG, Bernd Pischetsrieder, arbeitet mit Hochdruck an einer Reform seiner Vertriebsorganisation. Mit einer Reihe personeller und struktureller Veränderungen will der VW-Chef jene Defizite abstellen, die im April zur Trennung von Vertriebs- und Marketingvorstand Robert Büchelhofer geführt hatten.
Mit der Koordination des Vertriebsumbaus hat Pischetsrieder unter anderem VW-Finanzvorstand Bruno Adelt betraut, der dem Unternehmen noch bis zum Ende des Jahres zur Verfügung stehen wird. Die operativen Aufgaben in Adelts Geschäftsbereich Controlling und Rechnungswesen obliegen inzwischen Hans Dieter Pötsch. Der Ex-Chef der Dürr AG soll in Kürze zudem die regionale Zuständigkeit für den Schlüsselmarkt Europa von Konzernchef Pischetsrieder übernehmen.
An Pötsch wird künftig daher auch Georg Flandorfer berichten, der ab Oktober konzernweit den Vertrieb in Deutschland verantworten soll. Flandorfers Ämter als Vertriebs- und Marketingvorstand der Audi AG übernimmt Ralph Weyler, der von BMW kommt.
Um Sparpotenziale im VW-Vertrieb auszuleuchten und Optimierungsoptionen für die Vermarktung zu erhalten, hat VW die Unternehmensberatung Roland Berger mit zwei Projekten beauftragt. Zum einen untersuchen die Consultants so genannte "Chancenmärkte" wie China und Osteuropa für VW auf den optimalen Ressourceneinsatz und mögliche Organisationsformen im Automobilvertrieb jener Regionen. Zum anderen führt Berger ein Benchmarking durch, um auf strategisch bedeutsamen Auslandsmärkten die Effizienz der VW-Importgesellschaften auch im Vergleich zu wichtigen Wettbewerbern zu überprüfen. "Wir werden den konzerninternen Leistungsvergleich deutlich intensivieren", so Adelt im Gespräch mit Automobilwoche.
Mehr Einfluss auf Vertrieb und Marketing rund um neue Modelle sollen im Zuge einer zentralen Produktlinienverantwortung künftig "Superproduktmanager" bekommen. Nach diesem neuen Konzept ist etwa Horst König für den nächsten Passat (Code B6) verantwortlich, der Ende 2004 starten soll. An letzten Details der neuen Projektorganisation feilen derzeit Consultants von McKinsey. Sicher ist schon jetzt, dass die intern auch "Heavy Duty Product Manager" genannten VW-Autostrategen ein neues Modell künftig nicht mehr nur bis zum "Start of Production" betreuen, sondern über dessen gesamten Lebenszyklus auch für Modellpflegemaßnahmen und den Typnachfolger zuständig sein werden.
Einige Top-Personalien im VW-Vertrieb sind nach wie vor offen. So ist noch immer kein Nachfolger für Detlef Schmidt gefunden, dessen Demission als Vertriebs- und Marketingchef der Marke Skoda seit März beschlossene Sache ist. Unklar ist auch, wie Daniel Coppens, in gleicher Funktion bis vor wenigen Tagen bei VW Nutzfahrzeuge (VWN) tätig, ersetzt wird. Vorerst hat VWN-Chef Bernd Wiedemann die Aufgaben des Belgiers übernommen, der neue Aufgaben im VW-Konzern erhalten soll.