Berlin/ Frankfurt/Main. Wolfgang Franz, der neue Chef der fünf Wirtschaftsweisen, lehnt staatliche Hilfe für den angeschlagenen Autobauer Opel kategorisch ab. "Was will denn die Bundesregierung machen, wenn andere Unternehmen mit ähnlichen Anliegen kommen? Hier würden Dämme brechen", sagte Franz am Montag in Frankfurt. Gleichzeitig sprach sich der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) dafür aus, eine Insolvenz von Opel zu überdenken: "Insolvenz heißt nicht, dass die Mitarbeiter am nächsten Tag auf der Straße stehen."
Stattdessen, so Franz, sei das Ziel des Insolvenzrechts, das Unternehmen am Laufen zu halten: "Wenn Opel ein gut aufgestelltes Unternehmen ist, dann wird sich in dieser Zeit ein Investor finden, der das Unternehmen übernimmt." Unterdessen hat die Bundesregierung die staatseigene Förderbank KfW offenbar noch nicht damit beauftragt, mögliche Hilfen für Opel zu überprüfen. "Wir sind derzeit bei Opel überhaupt nicht involviert", sagte der Vorstandsvorsitzende der KfW-Bankengruppe, Ulrich Schröder. Die KfW könne dem Autobauer zwar theoretisch über Kredite helfen. Sie sei aber zu dem Thema noch nicht angesprochen worden. Opel benötigt nach eigenen Angaben neues Kapital in Höhe von über 7 Milliarden Euro, davon sollen 3,3 Milliarden Euro von der öffentlichen Hand bereitgestellt werden. Dabei denkt der Autobauer sowohl an Bürgschaften als auch an Darlehen. Opel hatte vor kurzem gewarnt, dass dem Hersteller das Geld bereits im April ausgehen könnte.
Vor Ende März könnten angesichts der noch offenen Fragen keine substanziellen Beschlüsse gefasst werden, sagte unterdessen der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am Montag in Berlin. Angesichts zunehmender Differenzen in der großen Koalition ist die Bundesregierung um geschlossenes Auftreten bemüht. Es gebe ein klares Einvernehmen, was das weitere Vorgehen betreffe, sagte Steg: "Es ist völlig klar, dass das, was bisher als Zukunftskonzept von Opel auf den Tisch gelegt worden ist, nicht geeignet ist, um jetzt schon abschließende Entscheidungen in der Bundesregierung zu treffen." Das Konzept sei noch lückenhaft und ergänzungsbedürftig. Die SPD hat zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Forderungen nach raschem Handeln unter Druck gesetzt. Aber auch in der Union gibt es Streit. Für Zündstoff sorgen zudem Äußerungen von Bundesministern, die mit Blick auf Opel auf die Chancen einer Insolvenz verwiesen hatten.