Hamburg. Gilt es, eine so wichtige Neuheit wie die S-Klasse vorzustellen, macht dem schwäbischen Autobauer niemand etwas vor. Kein geringerer Ort als die Auslieferungshalle des Airbus A380 in Hamburg-Finkenwerder, laut Daimler-Boss Dieter Zetsche die "coolste Garage der Republik“, schien Mercedes für die Weltpremiere ihres Flaggschiffes besser geeignet zu sein. Großer Flieger, großer Wagen, großer Auftritt. Das einzige, was nicht inszeniert war, waren das Gewitter und der wolkenbruchartige Regen. So fuhren die zwei S-Klasse-Limousinen, wenige Minuten zuvor aus Stuttgart per Frachtmaschine eingeflogen, eben triefend nass auf die Bühne. Im Fond die R&B-Sängerin Alicia Keys, die zusammen mit den Hamburger Symphonikern die über 750 Gäste, darunter 500 Journalisten aus 40 Ländern, auf den neuen Luxus-Liner einstimmen sollte.
Mit der jüngsten Generation der S-Klasse, intern W 222 genannt, will Mercedes sich noch deutlicher von seinen Konkurrenten BMW (Siebener) und Audi (A8) absetzen. Und dies in allen Bereichen, beim Komfort, bei der Sicherheit und bei der Effizienz. "Wir haben massiv in die S-Klasse investiert“, sagt Zetsche, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Experten schätzen den Aufwand auf weit über eine Milliarde Euro. Lohn der Mühe: Das Auto steckt voller Superlative. Geringster cW-Wert im Segment, leiseste Limousine überhaupt, niedrigster Verbrauch, modernstes Multimediasystem, größte Anzahl an Applikationen, erstes Auto mit volldigitalem Cockpit, erstes Auto mit WLAN-Fernbedienung übers Smartphone, erstes Auto ohne Glühlampen (stattdessen LED), Auto mit den meisten Assistenzsystemen (über 20), erstes Auto mit Magic Body Control, einem Kameraduo, das vor dem Wagen den Fahrbahn liest und entsprechend das Fahrwerk einstellt.Auch im Innenraum will sich Mercedes selbst übertreffen. Nie zuvor gab es im Rücksitze, die sich so flach legen lassen konnten. First Class im Fond. Noch mehr Wohlfühlatmosphäre sollen Hot-Stone-Massage, Parfümdüfte und Burmester-Musik auf Konzertsaal-Niveau schaffen. "Mit diesen Features bleiben wir die Nummer eins“, sagt Thomas Weber, Vorstand Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung.Neue S-Klasse - Griff nach den Sternen
Daimler hat am Mittwochabend seine neue S-Klasse präsentiert. Die Luxus-Limousine strotzt vor Superlativen. Der Stuttgarter Autobauer spricht vom "besten Auto der Welt".
Aus der Langversion entwickelt
Entwickelt hat Mercedes die neue S-Klasse erstmals aus der Langversion heraus. Grund: Die kurze Version wird immer mehr zu einem Derivat, das in kleinen Stückzahlen nur noch in Europa nachgefragt wird. "China und USA sind unsere Hauptmärkte“, sagt Joachim Schmidt, Leiter Vertrieb und Marketing. "Dort werden wir dieses Auto gar nicht mehr mit kurzem Randstand anbieten.“ Die Markteinführung in Asien und Nordamerika ist für September vorgesehen, Deutschland und Europa stehen für Juli auf dem Plan. Dann allerdings mit eingeschränktem Motorenangebot.
Zunächst ist die S-Klasse als S 500 mit dem V8-Benziner (ab 104.601 Euro) sowie ab 85.204 Euro als S 400 Hybrid (V6-Benziner + E-Motor) erhältlich. Ende des Jahres wird der S 350 BlueTec Hybrid folgen, dessen Dreiliter-Diesel lediglich 5,5 Liter verbrauchen soll (Preis: ab 79.789,50 Euro). Weitere Verbrauchsrekorde will Mercedes im nächsten Jahr mit dem S 300 BlueTec Hybrid und S 500 Plug-in Hybrid aufstellen. "Hier liegen die Werte bei 115 Gramm beziehungsweise nur 74 Gramm CO2 pro Kilometer“, verspricht Entwicklungschef Thomas Weber. Ebenfalls für 2014 steht der Zwölfzylinder S 600 auf dem Programm. Derzeit fahren alle Motorisierungen mit der bekannten Siebengangautomatik. Da im nächsten Jahr die neue C-Klasse (W 205) bereits mit dem neu entwickelten Neunganggetriebe antritt, dürfte zeitnah auch die S-Klasse damit ausgerüstet werden. Bis 2016 allerdings wird es noch dauern, bis die neuen Sechszylinder-Reihenmotoren, Diesel wie Benziner, Einzug in die Baureihen halten.Den Vorgänger W 221 hat Mercedes über 500.000 Mal verkauft. Noch im letzten Produktionsjahr war die S-Klasse mit rund 65.000 Exemplaren weltweit der Bestseller unter den Luxuslimousinen. Dass der Nachfolger wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage zumindest in Europa diese Zahlen nicht erreichen könnte, glaubt bei Mercedes indes niemand. Erst recht nicht der Cher selbst. Dieter Zetsche: "Spitzenprodukte bleiben immer begehrt.“
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