Hamburg. Die DaimlerChrysler AG ist internen Betrugsfällen im Neuwagengeschäft auf der Spur. Die Zentralrevision der Berliner Vertriebsorganisation prüft derzeit Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung so genannter Eroberungsprämien. In der Niederlassung Hamburg waren jüngst vier Mercedes-Verkäufern Manipulationen nachgewiesen worden. Die Mitarbeiter wurden mittlerweile gefeuert.
Eroberungsprämien erhalten Autoverkäufer, wenn sie Fahrer von Fremdfabrikaten zur eigenen Marke locken. In Hamburg hatten die beschuldigten Mitarbeiter diese Prämie von 0,5 Prozent des Nettokaufpreises dazu genutzt, um ihre Basisprovisionen in betrügerischer Weise aufzustocken. Dazu hatten sie bei der Inzahlungnahme von Gebrauchtwagen falsche Halterangaben gemacht.
In einem besonders krassen Fall wollte sich ein Ex-Mitarbeiter
eine Eroberungsrate von nahezu 80 Prozent vergüten lassen. Der Schwindel flog auf, berichtet Niederlassungsleiter Gerhard Rötters, weil im Controlling bei einem Leistungsvergleich "unerklärliche Ausreißer" ans Licht gekommen waren. Nach Recherchen der Berliner Revision, die Rötters daraufhin einschaltete, steht nunmehr fest, dass mindestens vier Neufahrzeug-Verkäufer "sich zu Lasten unserer Niederlassung bereichert haben" (Rötters). Weitere Verdachtsfälle auch in anderen Niederlassungen sollen jetzt untersucht werden. DaimlerChrysler lehnte unter Hinweis auf "rein hausinterne Vorgänge, von denen Kunden nicht betroffen sind", eine Stellungnahme zu den Vorgängen ab.