Wolfsburg. Im zähen Ringen um den so genannten Zukunftstarifvertrag, den Volkswagen und die IG Metall (IGM) vergangene Woche abgeschlossen haben, setzte der VW-Betriebsrat weit reichende Mitbestimmungsrechte bei der Vergabe künftiger Produkt- und Investitionsentscheidungen durch.
Wie Automobilwoche aus Verhandlungskreisen erfuhr, ist der Konzern künftig vertraglich verpflichtet, alljährlich Standort-Symposien durchzuführen, bei denen die Auslastung der einzelnen Werke in Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern durchleuchtet wird. Bisher fanden derlei Treffen von Markenvorstand, Betriebsrat und Werksmanagement auf freiwilliger Basis statt. In einer vertraulichen Anlage zum neuen VW-Tarifvertrag, die dieser Zeitung vorliegt, ist etwa fixiert, dass im Werk Salzgitter "der Aufbau von Entwicklungs- und Fertigungskompetenz für Motorkunststoffkomponenten" zu erfolgen hat. "Eine bloße Beschäftigungsgarantie ohne konkrete Produktionszusagen hätte uns nicht viel genützt", so VW-Betriebsrats-Vize Bernd Osterloh auf Anfrage.
"VW muss noch viele Prozesse verbessern", fordert IGM-Funktionär Hartmut Meine.
Mit Blick auf die schwache Marktlage und das interne Sparprogramm "ForMotion" strebt Volkswagen zusätzliche Synergieeffekte an. Gestärkt werden sollen vor allem Querschnittsfunktionen über die so genannten Konzerngeschäftsfelder hinweg.
Nach einer VW-internen Absichtserklärung, die Automobilwoche vorliegt, soll im Stammwerk Wolfsburg etwa der "Vorrichtungs- und Werkzeugbau im Rahmen eines Konzerngeschäftsfeldes Werkzeugbau" weiterentwickelt werden. Zudem peilt VW eine "auskömmliche Auslastung nicht genutzter Kapazitäten" an.
Am Standort Hannover sollen moderne Gusstechnologien "als Teil eines aufzubauenden Konzerngeschäftsfeldes Gießerei" gefördert werden. Für das Werk Kassel wiederum ist der "Aufbau einer Kompetenzstrategie für ein Geschäftsfeld Abgasanlagen" vorgesehen. Überdies erhält das hessische Werk den Zuschlag für das Projekt "DQ 200", ein Doppelkupplungsgetriebe für Kleinwagen.
Das VW-Werk im ostfriesischen Emden wiederum darf schon jetzt für die Produktion der übernächsten Generation des Passat (B7, voraussichtlich ab 2011) planen. Außerdem wird sich die Fabrik in Emden um die "Entwicklung einer Drehscheibe in der B-Klasse für den Konzern" bewerben.