Vorbehalte gegen "Auto-Union" sind allemal berechtigt. Ganz egal, ob potenzielle Jungkäufer sie erheben, mittlere Manager oder "greisenhafte" Stammkunden. Zum einen würde, "nomen est omen", die Namensgebung "Auto-Union" das rufstarke Label Porsche eben nicht berücksichtigen – und auch die Stuttgarter Nomenklatura somit unnötig verprellen. Dabei ist Rücksichtnahme auf südwestdeutsche Empfindsamkeiten für den Konzern aus der norddeutschen Tiefebene nun von hoher Priorität. In den Ruch, als bedenkenlose Usurpatoren zu agieren, dürfen Piech und sein Mitstreiter Winterkorn, 62, gar nicht erst geraten, wenn es gilt, die Causa VW/ Porsche nach all den Reibereien der jüngeren Vergangenheit zu einem für beide Lager versöhnlichen Ende zu bringen. Die VW-Oberen sollten reagieren – und "Auto-Union" zu den Akten legen.
Zumal, zum anderen, "Auto-Union" in der Geschäftssprache Englisch unerwünschte Assoziationen wecken könnte. "Auto-Union würde für Angloamerikaner verdächtig nach Auto-Gewerkschaft klingen“, konzediert ein VW-Manager aus Winterkorns Umfeld, "und verbietet sich daher fast von selbst“. Gerade auf dem wichtigen nordamerikanischen Absatzmarkt, wo "Unions" seit jeher gesellschaftlich umstritten sind, muss VW gewaltig zulegen, wenn Toyota bis 2018 wirklich als Nummer eins der Auto-Welt überholt werden soll. "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die neue Firma wie von Piech erhofft eines Tages Auto-Union heißen wird“, resümiert eine Porsche-Führungskraft. Gewiss, Großkonzerne wie die US-Chemiegruppe Union Carbide oder der australische Cinemaxmulti Greater Union gelten gemeinhin auch nicht gleich als Gewerkschaftsunternehmen. Gerade in der zunehmend globalisierten Automobilwirtschaft aber ist die völlige Unverfänglichkeit von in die englische Sprache "übersetzten" Kunstnamen von großer Bedeutung. Auf Namensfindung spezialisierte Dienstleistungsagenturen leben sehr gut davon.
VW hat hier die seltene Chance eines Neuanfangs. Bald über einen klangvollen Namen wie Porsche gebieten zu können, ist für Europas größten Autohersteller ein geldwerter Vorteil. Porsche als Marke und Porsche als Teil des zu kreierenden Konzernnamens, das ist kaum mit Gold aufzuwiegen. Im eigenen Interesse wiewohl im Sinne der anderen Aktionäre sollte Anteilseigner Ferdinand Piech dies beherzigen – und von "Auto-Union" Abstand nehmen. VW-Porsche, das ist die richtige Firmierung der neuen Auto-Achse. Schlicht und "ergreifend" wäre dieser Doppelname. Letzteres selbst für zeithistorisch interessierte Automobilenthusiasten. Einen Sieg auf buchstäblich ganzer Linie hätte Altmeister Piech, 72, in der Auseinandersetzung mit Porsche dann zwar nicht davongetragen. Aber eine kleine "Niederlage" kann seinen großen Triumph wahrlich nicht schmälern.