Eine gute Nachricht ist das für die Monteure im Stammwerk Wolfsburg und im ostdeutschen VW-Komplex Mosel, wo der Bestseller auch nach der für 2008 geplanten „großen Produktaufwertung“ (GPA) als Golf VI vom Band laufen wird. Ihre Arbeitsplätze werden sicherer, und das in Zeiten von Überkapazitäten nicht nur im VW-Fabrikverbund und steigendem Wettbewerbsdruck im weltweiten Automobilgeschäft. Auch VW profitiert: Die Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe für Presswerkzeuge und modifizierte Montagemaschinen kann das Unternehmen künftig auf zwei Standorte konzentrieren – das schont die Konzernkasse und führt über Stückzahleffekte in der Montage letztlich zu den von VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard dringend angemahnten besseren Margen.
Für die VW-Arbeiter im belgischen Werk Brüssel hingegen ist die Restrukturierung ein Desaster. Ersatzbeschäftigung in ausreichendem Maße hat VW nach dem Abzug der Golf-Herstellung nicht zu bieten – die Schließung der VW-Produktion in dem kleinen Beneluxstaat ist nach einhelliger Meinung von Branchenkennern nur eine Frage der Zeit.
Doch Volkswagen hat keine andere Wahl. Ohne bessere Auslastung des Wolfsburger Hauptwerks wäre das vom scheidenden Konzernchef Bernd Pischetsrieder angeschobene Sanierungsprogramm "ForMotion Plus" zum Scheitern verurteilt – und damit die Volkswagen AG insgesamt in größter Gefahr. Damit die Fertigungskapazitäten von jährlich 460.000 Einheiten in Wolfsburg in Zukunft annähernd ausgeschöpft werden, benötigt der riesige Industriekomplex am Mittellandkanal neben der Übernahme eines Teils der belgischen Golf-Produktion allerdings noch ein weiteres Volumenmodell. Kenner der Produktionsabläufe und Ingenieure aus dem VW-Controlling raten daher dringend zu einer Verlagerung der Fertigung der nächsten A3-Generation von Audi aus Ingolstadt zu VW nach Wolfsburg.
Die Logik dahinter ist rundum überzeugend: Zum einen wird auch der nächste A3 zum Großteil auf der Technik des Golf basieren - die "Economies of Scale" würden bei gemeinsamer Produktion ohne Zweifel erheblich steigen. Und, zum anderen, Audi benötigt aufgrund der eigenen Modelloffensive dringend freie Fertigungskapazitäten - gerade am Stammsitz Ingolstadt.
Man darf gespannt sein, wie der im Januar 2007 zum VW-Konzernlenker aufrückende Audi-Chef Martin Winterkorn in der A3-Frage entscheidet. Die Meinung von Wolfgang Bernhard ist intern hinlänglich bekannt, er würde die Audi-Montage lieber heute als morgen übernehmen. Winterkorn hat als Audi-Vormann bislang für den Verbleib des A3 in Bayern votiert. Bernhard und Winterkorn mögen sich nicht sonderlich. Doch zum Wohle der Volkswagen AG werden sie sich – auch im Hinblick auf die Zukunft der Produktionsstandorte - zusammenraufen müssen. Wenn das nicht geht, geht Bernhard.