Die britische Automobilindustrie erinnert manchmal an einen Stammtisch von Kriegsveteranen. Bei jedem Treffen muss einer der alten Haudegen aufstehen und Dinge sagen wie: "Meine Freunde, nun hat es auch den alten Trevor erwischt, er weilt nicht mehr unter uns. Cheers." - oder so ähnlich.
Tatsächlich hat es nun Trevor erwischt, genauer gesagt die Sportwagenschmiede TVR. Die drei Buchstaben sind Überbleibsel aus dem Namen des Firmengründers Trevor Wilkinson. Der ist zwar schon lange aus Firma sowie Leben geschieden, doch nun steht auch der von ihm ins Leben gerufene Kleinstserienhersteller vor dem Aus. Hingerichtet von einem jungen Oligarchen-Sohn aus Russland, der einst statt nur eines Autos gleich die ganze Firma kaufte, dann aber schnell den Spaß daran verlor.
Da mag sich der eine oder andere Insulaner nun die Hände reiben, dass es zumindest keiner aus ihren Reihen war, der auch diesen Hersteller an den Abgrund führte. Am Rover-Debakel ist nach landläufiger Meinung BMW Schuld, nun verhunzen Chinesen das wertvolle Tafelsilber. Für das elende Dahinvegetieren der Edelkatze Jaguar nimmt der Brite gerne Ford in die Verantwortung. Hier aber bitte nur das US-Management, da Ford schließlich schon über Jahrzehnte auf der Insel fleißig Autos und Motoren baut. Aston Martin sucht bekanntlich auch nach einem neuen Besitzer, trotz einer guten Unternehmensentwicklung. Oh my goodness.
Dass der Brite an sich nicht in der Lage ist, vernünftige und funktionierende Autos zu bauen, haben die Japaner widerlegt. Toyota, Honda und Nissan heißen inzwischen die Größen der nationalen produzierenden Autoindustrie. Mit dem Toyota Auris und dem Honda Civic, die ausschließlich im Königreich gefertigt werden, beliefern die Engländer Europa sogar mit für beide Konzerne wichtigen Volumenmodellen. Damit die Qualität stimmt, musste beispielsweise Toyota die Zügel straffen und so viele Kontrollinstanzen einführen wie in keinem anderen Werk. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass die Toyota-Fabrik in der Türkei die beste Qualität innerhalb des Konzerns liefere. Shocking.
Doch mit Hilfe eines vernünftigen Managements können auch Briten trotz aller Schicksalsschläge ordentliche Fahrzeuge bauen. So wird der Auris ein Erfolg, der Civic ist es schon und auch Nissans Micra verkauft sich anständig. Das Empire ist also noch nicht ganz verloren. Außerdem gibt es noch ein paar Helden des einstigen britischen Auto-Empires, allen voran Morgan. Mögen ihnen gelangweilte Russen-Milliardäre oder chinesische Traditions-Hazadeure und somit Trevors Stammtisch-Schicksal erspart bleiben.