Hamburg. Zu beneiden sind sie nicht, die Mitglieder des Aufsichtsrats des Fahrzeugzulieferers Continental aus Hannover. Morgen, am Mittwoch (12. 8.), sollen sie über das Schicksal von Karl-Thomas Neumann befinden, der erst seit knapp einem Jahr an der Konzernspitze steht. Neumanns Vorgänger, der seit September 2001 amtierende Zahlen- und Produktivitätsstratege Manfred "Manni" Wennemer, ein bis dahin stets kühl kalkulierender Mathematiker, hatte im Streit mit dem neuen Großaktionär, der Schaeffler-Gruppe aus dem fränkischen Herzogenaurach, wutentbrannt kurzerhand die Brocken hingeschmissen.
Der neue Mann an der Conti-Spitze ist kein Mathematiker. Karl-Thomas "Charlie" Neumann, ein promovierter Elektronikexperte aus der reputierlichen "VW-Schule", gilt als verbindlich und charmant. Gleichwohl kann er eiskalt sein – und berechnend, im besten Sinne des Wortes. Neumann wusste genau, welche Konsequenzen seine gezielten Sticheleien gegen das Lager der Franken – "Was letztlich also fehlt, ist das Gesamtkonzept selbst!", proklamierte er etwa bei der Hauptversammlung im April zu Hannover so offen wie öffentlich an die Adresse der Großaktionärin Maria-Elisabeth Schaeffler nebst Sohn Georg – und seine eindringliche Forderung nach einer Kapitalerhöhung in der Autokrise nach sich ziehen würden: Den Verlust des Vertrauens maßgeblicher Personen.