Hamburg. Nach der jüngsten Aufsichtsratssitzung der Porsche Automobil Holding steht der Stuttgarter Sportwagenkonzern und VW-Großaktionär vor den wohl größten Umstrukturierungen der Unternehmensgeschichte. Vorstandschef Wendelin Wiedeking und sein Stellvertreter Holger Härter müssen gehen, was aller Erfahrung nach noch eine Reihe weiterer Personalia auf unteren Managementebenen nach sich ziehen wird. Die geplante Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro sowie der erhoffte Einstieg des Emirats Katar werden die Finanz- und Eigentumsverhältnisse des renommierten Hauses gravierend verändern. Und der zwischen Porsche und VV angestrebte "integrierte Automobilkonzern" wirft derzeit noch mehr Fragen auf, als er – nicht zuletzt aufgrund der anhaltenden Autokrise – schon Antworten auf drängende Fragen liefern könnte.
Kein Wunder also, dass sich Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner um Porsche sorgen. Wie sicher sind die Arbeitsplätze des angeschlagenen Herstellers von Cayenne, Panamera und Co. in Zeiten rückläufiger Absatzmärkte? Inwieweit werden die nächsten Generationen von Boxster oder Cayman auch unter VW-Regie ihren unverwechselbaren Charakter behalten dürfen – und technische Sonderlösungen, die nicht aus den Volkswagen-Regalen stammen? Was wird aus den vorgesehenen Geschäftsbeziehungen von Porsche mit Zulieferern, die schon jetzt an Zukunftsprojekten wie einer Luftfederung ("PASM2") für den Nachfolger des 911 Carrera (Werkscode 991) feilen? Wird VW hier auf die eigene Entwicklungshoheit pochen?
Michael Macht, das ist sicher, hat ab sofort alle Hände voll zu tun, um die Wogen in- wie extern zu glätten. Und der stets so dynamisch wie verbindlich auftretende neue Mann an der Porsche-Spitze wäre gut beraten, jetzt umgehend eine Reihe deutlicher Zeichen zu setzen. Zeichen etwa für seine Entschlossenheit, auch in schwierigen Zeiten für den Erhalt der Porsche-Belegschaften in den Werken Stuttgart und Leipzig einzustehen. Zeichen für seinen Willen, im Ringen um die weitere Profilierung der Marke Porsche gegenüber den künftigen "Machthabern" in Wolfsburg nicht vorschnell einzuknicken. Zeichen aber auch in Richtung VW-Spitze und Betriebsrat, dass er sich kaufmännisch vernünftigen Projekten nicht aus Prinzip oder falsch verstandenem Stolz verschließen wird. Der Autor dieser Zeilen kennt den neuen Porsche-Oberen seit nunmehr zwanzig Jahren und hat schon in Machts Zeit am Fraunhofer-Institut oder später bei Porsche Consulting dessen Beharrlichkeit im Tagesgeschäft und Ideenreichtum auf künftigen Geschäftsfeldern redaktionell begleitet. Dem Produktionsexperten Michael Macht ist zuzutrauen, dass er auch als General Manager an der Porsche-Spitze reüssiert. Und, wo es nun geboten ist, buchstäblich ein "Macht-Wort" spricht.