München. Eine Einigung ist noch lange nicht in Sicht - im Gegenteil: Wie die Nachrichtenagentur "Dow Jones" berichtet, sind auch für Freitag wieder Arbeitsniederlegungen beim Autobauer Hyundai geplant. Die Mitarbeiter wollen sich so weiterhin für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedigungen einsetzen. Oberstes Ziel von Gewerkschaftschef Moon Yong-moon ist aber die Abschaffung der Nachtschichten. Er argumentiert: "Das Arbeiten während der gesamten Nacht verursacht chronische Müdigkeit, Schlaf- und Verdauungsstörungen. In einigen Fällen kommt es zu schwerem Familienzwist." Er will deshalb statt der bisherigen zwei Zehn-Stunden-Schichten zwei Schichten mit je acht Stunden einführen. Von einem Entgegenkommen seitens des Unternehmens könne auch nach 15 Verhandlungsrunden nicht die Rede sein. Aus Gewerkschaftssicht sind die Zugeständnisse nur minimal. Dabei ist Moon Yong-moon mit klaren Forderungen in den Arbeitskampf eingestiegen: "Ich verlange zwischen dem Unternehmen und den Gewerkschaftsmitgliedern eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Das war offensichtlich in den vergangenen zwei bis drei Jahren nicht der Fall". Moon Yong-moon arbeitet seit 1986 bei Hyundai. Seitdem wurde er drei Mal gefeuert und viermal wegen seiner Gewerkschaftstätigkeit inhaftiert. Auf Höflichkeiten wie etwa Händeschütteln oder Lächeln verzichtet er - auch im Beisein der Unternehmensspitze. Dennoch weiß er die Belegschaft hinter sich: Im vergangenen Jahr wurde er mit 52 Prozent der Stimmen zum Gewerkschaftschef gewählt.
Durch die bisherigen Streiks ist Hyundai bislang ein finanzieller Schaden in Höhe von 804,5 Milliarden koreanischen Won oder umgerechnet rund 578 Millionen Euro entstanden. 40.000 Fahrzeuge konnten nicht produziert werden. Für den Autobauer hat das gravierende Auswirkungen: Die Lagerbestände befinden sich schon jetzt auf einem historischen Tiefstand - in den USA hat Kia noch einen Lagerbestand für 25 Tage, beim Mutterkonzern Hyundai können die Händler noch 21 Tage über die Runden kommen. Zum Vergleich: Beim Erzrivalen Toyota und bei Honda reichen die Lagerbestände noch für 49 Tage, die Chevrolet-Sparte von General Motors hat noch einen Bestand für 66 Tage. Analysten hatten in diesem Zusammenhang schon gewarnt, dass sich die Streiks auch auf die Zahlen des dritten Quartals auswirken könnten. Dadurch, dass die Autohersteller den Umsatz bereits buchen, wenn sie ihre Autos an den Händler ausliefern, macht sich ein Produktionsrückgang sofort beim Umsatz bemerkbar.Hyundai-Mitarbeiter streiken weiter
Die Fronten verhärten sich immer mehr: Auch nach 15 Verhandlungsrunden ist zwischen der Hyundai-Unternehmensspitze und dem Gewerkschaftschef keine Einigung in Sicht - im Gegenteil: Ab Freitag wollen die Arbeiter wieder streiken und so ihrer Forderung nach mehr Lohn und besseren Arbeitsbedingungen Nachdruck verleihen.
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