Hannover. Der neue Aufsichtsratschef des Zulieferers Continental, Rolf Koerfer, wird bereits in den ersten Amtstagen mit massiven Konflikten konfrontiert. So hat die Arbeitnehmerfraktion im Rat einen Vorstoß gestartet, um "Standortveränderungen“ in der Satzung als "zustimmungspflichtige Geschäfte“ verankern zu lassen. Hintergrund sind Pläne von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann zur Schließung zweier Reifenwerke in Hannover und im französischen Clairoix, über die sich die Aufseher schlecht informiert fühlen. "Wir fürchten, dass die jetzige Autokrise genutzt wird, um deutsche Produktionsstätten in andere Länder zu verlagern“, sagt Bärbel Bruns, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats für das Conti-Gummigeschäft. Ein Investor für ContiTech und die Reifensparte sei "derzeit nicht in Sicht“.
Koerfer müsse "vom Conti-Vorstand verlangen, die Standorte in Deutschland zu sichern und zu stärken", fordert Bruns. "Da erwarte ich von Koerfer ein klares Bekenntnis zu den berechtigten Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer". Zudem habe er "dringend weitere Kontakte in die Automobilindustrie aufzubauen und sich aktiv nach potenziellen Investoren umzuschauen". Mit möglichen Plänen, das Reifengeschäft aus dem Konzernverbund zu lösen, so die Betriebsrätin, "wären wir überhaupt nicht einverstanden". In seiner Funktion als Chef des Aufsichtsrats habe Koerfer "die Interessen der Aktionäre und der Beschäftigten gleichermaßen vernünftig und respektvoll zu vertreten". Im Rahmen der von Neumann angekündigten Neugestaltung des Konzerns müsse Koerfer daher etwa "vom Vorstand ein langfristiges Konzept zur Sicherung des Metall- und Gummi-Bereichs" einfordern.