Wolfsburg. „Niemand sollte glauben, er kennt China, nur weil er ein paar mal dort war“, warnt Anders-Sundt Jensen. Das Land sei mit seinen 1,4 Milliarden Menschen und 80 Sprachen nicht nur äußerst vielschichtig, es wandele sich auch mit hohem Tempo, so der Marketingchef von Volkswagen beim Internationalen Trendforum (ITF) in Wolfsburg, das in unter dem Motto „Go East“ stand.
„Der Markt ist massiv im Umbruch und die traditionellen Werte verändern sich“, ergänzte der Marketing-Fachmann. Individualität, Selbstbewusstsein, Kreativität sind Werte der jungen Generation. Zudem gebe es eine wachsende Gruppe von Konsumenten, die nicht unbedingt mit chromgeschmückten Limousinen ihren sozialen Status zeigen müssen. Dieser Diaosi genannte Lebenseinstellung rechne mittlerweile fast jeder zweite Chinese zu.
Der Wertewandel hat auch das Reich der Mitte erreicht. Das machte auch Reinhard Fleger klar, Chef von VW Financial Services in China: Noch vor wenigen Jahren war es nahezu unmöglich, einem chinesischen Kunden einen Fahrzeugfinanzierung zu verkaufen. „Man hat nur gekauft, was man sich leisten kann“, sagte Fleger. Erst 2004 habe Volkswagen deshalb in China eine eigene Finanz-Sparte gegründet. Heute jedoch sei bereits jeder vierte Neuwagen im Land finanziert. Bis 2020 sollen es nach Schätzungen von VW Financial 35 Prozent sein.
Deutlich weiter ist die Marktdurchdringung der Internet-Services: Zwar haben nur 50 Prozent der Chinesen Zugang zum World Wide Web. Doch von denen nutzt das Netz beinahe jeder täglich: „594 Millionen Chinesen nutzen Social Media“, erklärte Christian Eißner von NTT Data. Jeder Dritte nutzt WeChat, die chinesische Variante von WhatsApp. 23 Prozent der Internet-Nutzer checken mehr als 100mal am Tag ihr Smartphone, 72 Prozent stehen über soziale Medien mit Unternehmen in Kontakt und 25 Prozent posten im Internet ihre Meinung über Produkte, hat NTT Data errechnet. Und die Chinesen seien bei der Kommunikation mit Unternehmen sehr ungeduldig, so Eißner: „Wer per SMS eine Probefahrt bestellt erwartet in China innerhalb von fünf Minuten eine Antwort.“ Die Unternehmen seien also gut beraten, ihre Internet-Abläufe im Griff zu haben. Nicht nur in China.