Detroit/Köln. Argwöhnisch beobachten derzeit die Autohersteller in den USA den Versuch von Ford, im kommenden Sommer den aus Europa stammenden Kleinwagen Fiesta in Nordamerika einzuführen. Ungewöhnlich für den US-Markt ist dabei nicht nur das kompakte Format des Autos, sondern auch die dazugehörige Marketingstrategie. Ford hat sich eine auf junge Kundschaft zugeschnittene Kampagne ausgedacht, die wesentlich auf Internetplattformen wie Twitter, YouTube und Flickr setzt. "Wir nutzen diesmal nicht die traditionellen Medien. Und es funktioniert“, sagt Connie Fontaine, Markenverantwortliche bei Ford.
Statt auf klassische Werbung setzt Ford auf den Dialog mit glaubwürdigen Vertretern aus dem sozialen Umfeld der potenziellen Kunden. Für die Fiesta-Einführung hat Ford 100 junge, unkonventionelle Menschen ausgesucht, die mit den neuen Medien vertraut sind und sie gerne nutzen. Ihnen stellte der Hersteller europäische Fiesta kostenlos zur Verfügung. Als Gegenleistung verpflichteten sich die "Botschafter“, ihre Eindrücke von dem Auto bei YouTube & Co. zu hinterlassen. Auf die Twitter-Frage der Automobilwoche, ob Kleinwagen in den USA denn überhaupt Chancen hätten, antwortete beispielsweise Testfahrer Bryan Redeker aus Grand Haven in Michigan: "Ja, ich denke, der Fiesta wird in den USA erfolgreich sein. Er beeindruckte schon viele Leute hier, denen ich das Auto gezeigt habe.“
Lew Echlin, Leiter der Marketingaktionen für den Fiesta, zieht schon jetzt eine positive Bilanz: "Die Fiesta-Bewegung hat für unvergleichliches Interesse und eine enorme Bekanntheit des Fiesta gesorgt, und zwar schon viele Monate vor dem Verkaufsstart.“ Das Konzept scheint tatsächlich aufzugehen: Bereits neun Monate vor dem Marktstart des Fiesta verzeichnete Ford 4,3 Millionen Downloads auf dem Videoportal YouTube, drei Millionen SMS-Fragen über den "Zwitscher“- Dienst Twitter und 540.000 abgerufene Einträge auf der Foto- und Blogger-Website Flickr. Ford spricht von 50.000 ernsthaften Interessenten für den Fiesta, die zu 97 Prozent noch keinen Ford gefahren haben. Eine Woche nach dem offiziellen Reservierungsstart Anfang Dezember hatten bereits 1000 Kunden den Kleinwagen aus Europa fest bestellt.