Bad Soden-Salmünster. Vor zwei Monaten hat Hans-Jürgen Kracht bei der Woco-Gruppe den Vorsitz der Geschäftsführung von Unternehmensgründer Franz Josef Wolf übernommen. Um den Zulieferer fit für die Zukunft zu machen, feilt der Manager mit beruflichen Stationen bei den Unternehmen Benteler und Magna an Struktur und Portfolio der Hessen. Auf neue Anforderungen müssen sich auch die Lieferanten des Akustik- und Kunststoffspezialisten einrichten. Kracht will deren Anzahl verringern. "Lieber weniger und stabile Lieferanten, für die die Woco-Gruppe dann auch ein wichtiger Geschäftspartner ist“, erklärt der Unternehmenslenker. Kracht erwartet sich von den Lieferanten vor allem finanzielle Stabilität, Innovationen bei Produkten und in den Prozessen sowie die Bereitschaft, sich bei der Werkzeugfinanzierung zu beteiligen, wie das auch die Autohersteller von Woco erwarten würden.
Die Schwerpunkte des Zulieferers liegen im Bereich Akustik (Zylinderkopfhauben, Akustikabdeckungen, Luftführungen), Aktuatorik (mechatronische Systeme, elektromagnetische Ventile) und in der Polymertechnik (Formteile aus Gummi und Kunststoff, Stecker- und Kabeldichtungen). "Wir werden unsere Produktpalette im Bereich des Motors und der zentralen Motorfunktionen weiterentwickeln“, so Kracht. So werden etwa mit pneumatischen Aktuatoren inklusive Sensorik und Verdichtergehäusen aus Kunststoff Downsizing-Konzepte bei Turboladern unterstützt. 2009 hatte die Gruppe mit rund 2600 Mitarbeitern 285 Millionen Euro Umsatz erzielt.
Etwa 20 Prozent davon entfielen auf den Industriebereich. Für 2010 rechnet Kracht mit über 300 Millionen Euro Umsatz. Bedingt durch Neuanläufe und starkes Wachstum in Asien wird Woco 2011 in der Größenordnung von fünf bis sieben Prozent zulegen. Für 2010 erwartet Kracht schwarze Zahlen, nachdem der Zulieferer 2009 in die Verlustzone gerutscht war. Begleitet wird die wirtschaftliche Erholung von einigen Herausforderungen: "Sorge bereitet uns die Situation bei den Rohstoffen sowohl bei Metallen wie auch im Bereich Elastomerrohstoffe und Polyamide. Das gilt für die Abdeckung der Bedarfe wie auch für die Preisentwicklung“, erläutert der Woco-Chef. Kracht will das Unternehmen künftig dezentraler aufstellen, "weg von der Linien- und hin zu einer Projektorganisation“. Dadurch verspricht er sich Vorteile in puncto Effizienz, Kommunikation und Flexibilität. Darüber hinaus will er so auch die Innovationsgeschwindigkeit bei Woco erhöhen.