Friedrichshafen. Sommer verspricht sich beim Einkauf in den ersten drei Jahren insgesamt Einsparungen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. In den ersten Tagen nach der Fusion will er auch mit der Analyse des Lieferantenportfolios der beiden Unternehmen beginnen. „Das zu kombinieren, zu fokussieren und die entsprechenden Hebel zu bewegen, erwarten unsere Kunden von uns und gehört auch bei uns zu den Prioritäten.“ Der Konzernlenker will auf der einen Seite unter anderem über die Prozesse, Produkte und die Kundenbeziehungen von TRW mit ZF Friedrichshafen „viel stärker ins Volumensegment eindringen“. Auf der anderen Seite will er die Expertise des Antriebsund Fahrwerkspezialisten ZF Friedrichshafen im Premiumsegment dazu nutzen, TRW stärker als Innovationsführer im Bereich Fahrerassistenz und Fahrzeugsicherheit zu entwickeln. Damit werde man den bei TRW begonnenen Weg fortführen. Was das Gemeinschaftsunternehmen ZF-TRW auf dem Weg zum autonomen Fahren, einem Lieblingsthema Sommers, leisten kann, wird auch auf der Consumer Electronics Show 2016 in Las Vegas gezeigt, wo ein gemeinsamer Messeauftritt beider Unternehmen geplant ist. TRW wird das Entwicklungsteam „Automatisiertes Fahren“ in diesem Jahr deutlich verstärken. Insgesamt ist das Elektronikgeschäft von TRW in den vergangenen drei Jahren stark gewachsen. Der Zulieferer hat in diesem Zeitraum weltweit mehr als 650 Ingenieure und Techniker eingestellt. Sie entwickeln vor allem neue Radar- und Kamerasysteme in den Technologiezentren in Europa und Nordamerika. Folgen wird der Zusammenschluss auch für die weltweit insgesamt 185 TRW-Standorte und 122 Produktionsgesellschaften von ZF haben. Sommer verweist auf bestimmte Standards, die bei TRW weltweit stark vereinheitlicht in den Fabriken implementiert sind. „Das macht diese Werke sehr effizient, und das werden wir uns sehr intensiv anschauen.“ Er rechnet damit, „dass wir davon viel in die ZF-Werke übertragen können, um die Effizienz weiter zu steigern“. Sommer denkt dabei vor allem an die Fahrwerk-Fabriken der Friedrichshafener. Auf der anderen Seite habe auch ZF einige „sehr ausentwickelte Produktionsprozesse“. Davon werde auch TRW partizipieren können. Nach der Analysephase will ZF entscheiden, „was wir übertragen und zu einem konzernweiten Standard machen“. „Auch kulturell wird das Unternehmen einen großen Sprung machen“, so der Manager. Das betrifft die Sprache, aber auch den Umgang untereinander. „Wir werden bereit sein, uns der amerikanischen Kultur anzupassen“, so Sommer. TRW habe bereits „relativ multikulturelle Führungsstrukturen“. Der US-Zulieferer lebe das schon sehr gut vor. Die Sprache für Boardmeetings und Kommunikation wird Englisch werden, zumal Peter Lake, derzeit Vertriebschef bei TRW, zum 1. Oktober Marktvorstand bei ZF werden soll. Offen ist für den Vorstandschef noch, wo die Verantwortlichkeiten in den USA zusammengeführt werden. Das soll aber erst entschieden werden, nachdem die marktbezogenen Integrationsthemen angegangen wurden. Sowohl für den TRW-Hauptsitz in Livonia wie auch für die ZF-Nordamerika- Zentrale in Northville (beide in Michigan) sieht Sommer einen großen Wachstumsbedarf. „An beiden Standorten wollen wir in vollem Umfang festhalten“, so der Vorstandsvorsitzende. Die zentrale Konzernführung bleibt in Friedrichshafen am Bodensee.
Einsparungen im Einkauf
ZF plant die Integration von TRW
Die Übernahme des US-Zulieferers TRW durch ZF Friedrichshafen ist zwar noch nicht abgeschlossen, doch die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. ZF-Vorstandschef Stefan Sommer hält daran fest, das Closing noch in der ersten Jahreshälfte über die Bühne zu bringen. „Es tauchen keine neuen überraschenden Themen auf, sondern es ist einfach die schiere Menge an Fragen, die beantwortet werden müssen.“