Bielefeld. Im ehemaligen ThyssenKrupp- Werk in Bielefeld betreibt der Metallspezialist auch seine größte Entwicklungseinheit im Bereich Chassis. Inklusive der Produktion sind dort etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Durch die Übernahme der Metallumform- Sparte von ThyssenKrupp im Jahr 2011 „haben wir unser Know-how im Bereich Chassis deutlich erweitern können“, sagte Francisco J. Riberas, Präsident und Vorstandschef von Gestamp, der Automobilwoche. Mit der deutschen Expertise will sich der Zulieferer für die weltweiten Märkte aufstellen. „Auch wenn unser Hauptaugenmerk auf dem Premiummarkt liegt, arbeiten wir nicht nur für deutsche Fahrzeughersteller“, erläutert Riberas seine Internationalisierungsstrategie. Zu den Hauptprodukten von Gestamp zählen Metallkomponenten für Fahrzeugkarosserien, beispielsweise Motorhauben, Dächer und Kotflügel. Im Bereich Chassis werden unter anderem Vorder- und Hinterachsen gefertigt. Und zum Bereich Mechanismen zählen Scharniere, Türfeststeller und automatische Öffnungs- und Schließsysteme. Bei den Entwicklungen steht das Thema Sicherheit häufig im Vordergrund. „Unser Hauptfokus liegt auf dem Werkstoff Stahl, aber parallel dazu arbeiten wir auch mit anderen Materialien wie Carbon oder Aluminium“, sagt der Gestamp-Chef.
Asien bringt Umsatzschub
Im Jahr 2014 hat Gestamp Automotive Components mehr als 6,2 Milliarden Euro Umsatz erzielt – ein Plus von knapp zehn Prozent gegenüber 2013. Damit trägt die Sparte rund drei Viertel zum Konzernumsatz bei. Im Jahr 2015 will Riberas beim Automotive-Geschäft um zehn Prozent zulegen und erwartet einen Umsatz zwischen 6,8 und 6,9 Milliarden Euro, das durch organisches Wachstum erreicht werden soll. Der größte Anstieg wird dabei in Asien stattfinden. Im Jahr 2014 gelang dort ein Umsatzplus von rund 40 Prozent. „Wir haben die Krise als Chance zum Wachstum genutzt“, erklärt Riberas. 2009, im Jahr der Krise, lag der Zulieferer noch bei rund zwei Milliarden Euro Umsatz. Doch seitdem hat das Unternehmen 18 neue Werke eröffnet, davon allein zehn in den vergangenen zwei Jahren. Ein Schwerpunkt lag auf China. Denn dort hatte Gestamp deutlich Nachholbedarf. „2015 wollen wir in China rund 700 Millionen Euro Umsatz erzielen. 2008 standen wir da noch bei null.“ Und der Manager will die internationalen Aktivitäten des Familienunternehmens noch ausbauen. Selbst im derzeit schwierigen Markt Russland plant der Zulieferer ein weiteres, dann viertes Werk. „Wir glauben, dass die Probleme in Russland nur vorübergehend sind, und rechnen damit, dass der Markt 2016 oder 2017 wieder anspringt.“ Denn die russische Führung sei darum bemüht, den Lokalisierungsgrad bei der Fahrzeugproduktion zu erhöhen. Auch Südostasien ist interessant für Gestamp. Die Region, zu der Indonesien, Vietnam, Thailand und die Philippinen gehören, zählt insgesamt mehr als 400 Millionen Menschen. Und die Wirtschaft dort wächst. „Diese Länder werden derzeit dominiert von den japanischen Fahrzeugherstellern. Man braucht also Kontakte zu den japanischen Autobauern, um in Südostasien Erfolg zu haben.“ Dort seien vor allem preisgünstige Fahrzeuge und Pick-ups gefragt. „Das heißt, wir müssen dort anders vorgehen als in China.“
Lösungen für alle Segmente
Durch die Übernahme des Scharniergeschäfts von Edscha im Jahr 2010 sieht der Gestamp-Chef sein Unternehmen in einer Top- Position bei automatisch angetriebenen Systemen etwa für Motorhauben oder Heckklappen. Derzeit werden sie vor allem für Geländewagen und andere große Fahrzeuge angeboten. „Wir glauben, dass wir künftig weitere Lösungen für alle Fahrzeugtypen anbieten können.“ Riberas erwartet hier eine ähnlich gute Entwicklung wie bei der Verbreitung von elektrischen Fensterhebern vor 25 Jahren.