Friedrichshain. „Die geplante Übernahme hat eine unbestreitbare industrielle Logik“, sagte der seit Mai amtierende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Achim Dietrich-Stephan der Automobilwoche. Gemeinsam mit TRW könne ZF als Systemlieferant auftreten. „Wir haben derzeit noch ein paar Defizite, uns fehlen beispielsweise die Bremsen. Auch im Bereich ESP, das immer mehr zum Gehirn für die Fahrsicherheit wird, haben wir noch Lücken.“ Genau diese Lücke könne TRW füllen. „Überschneidungen gibt es dabei bis auf den Lenkungsbereich kaum“, sagte Dietrich-Stephan. Auswirkungen hätte ein Zusammengehen mit TRW möglicherweise auf ZF Lenksysteme, das seit 15 Jahren bestehende 50:50-Joint- Venture mit Bosch, fügte er hinzu. ZF-Aufsichtsratsmitglied Vincenzo Savarino, Erster IG-Metall- Bevollmächtigter in Friedrichshafen- Oberschwaben, richtet den Blick auf die Details: „Aus industrieller Sicht wäre eine Übernahme von TRW für ZF sicherlich interessant, für uns kommt es aber ganz wesentlich auf die Bedingungen und Nebeneffekte eines Abkommens an“, sagte er der Automobilwoche. Gesamtbetriebsratschef Dietrich- Stephan will nicht, dass sich ZF an der Übernahme verhebt: „Uns geht es im Wesentlichen um die Finanzierung“, betont er. Klärungsbedarf gebe es etwa noch hinsichtlich der Folgen für Liquidität, Eigenkapitalquote und Bonität. „Wenn die damit verbundenen Risiken beherrschbar sind, dann können wir zustimmen.“ Um sich eine qualifizierte Meinung hierzu bilden zu können, werde sich der Betriebsrat extern beraten lassen, kündigte er an. Ein Wörtchen mitzureden haben bei der Ehe zwischen Zahnrad und Computerchip auch mehrere Kartellbehörden. Zumindest im Lenkungsbereich könnten Auflagen drohen, wie aus Industriekreisen zu hören ist. Spannend dürfte auch der Verlauf der Gespräche mit TRW-Chairman und Vorstandschef John C. Plant sein: Der studierte Ökonom, Buchhalter und Jurist gilt als präziser Rechner und nüchterner Stratege. ZF-Chef Stefan Sommer studierte dagegen Maschinenbau und steuert gerne mal seinen eigenen Porsche über den Nürburgring.
TRW-Übernahme durch ZF
Zahnrad sucht Computerchip
Der bislang eher organisch gewachsene Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen will durch die historische Übernahme des US-Zulieferers TRW Automotive mit einem Sprung in die Liga der Systemlieferanten aufsteigen. Analysten loben den Plan von ZF-Vorstandschef Stefan Sommer, sich unabhängiger vom Getriebegeschäft und vom europäischen Markt zu machen. Jetzt stellen sich auch die Arbeitnehmervertreter unter gewissen Vorbehalten hinter das Projekt.