Stuttgart. Mit bloßem Auge ist nichts zu sehen. Der weiße Porsche 911 GT 3 RS steht scheinbar makellos im Fahrzeug-Audit des Werks in Zuffenhausen bei der letzten Prüfung vor der Kundenübergabe. Auf der Karosserie sind mit einem Farbstift Punkte markiert, an denen nachgebessert werden muss. Um die Fehler zu erkennen, bedarf es jedoch eines geschulten Blicks. Schaut man etwa von oben in einem bestimmten Winkel auf die beiden Endrohre, sind tatsächlich minimale Unterschiede in der Länge zu erkennen. Und wer das Seitenfenster nur lange genug fixiert, dem fällt in der Tat die leichte Wölbung auf, die durch eine ungewollte Oberflächenspannung entstanden ist. "Qualität bedeutet für uns, die Erwartungen der Kunden zu übertreffen", sagt Michael Rometsch, Leiter des Fahrzeug-Audits bei Porsche.
Die möglichen Beanstandungen an den Fahrzeugen sind dabei in verschiedene Kategorien eingeteilt, die sich auch nach der Kundenreaktion richten. Sie reichen von der Fehlerklasse C, die rein optischer Natur ist und nur einem geschulten Spezialisten auffallen würde, bis hin zur Klasse A1, die die Sicherheit des Fahrzeugs gefährdet und gegebenenfalls ein sofortiges Abschleppen erfordert. Um jegliche Fehler möglichst zu minimieren, werden nach einem ausgeklügelten System Fahrzeuge zur dynamischen Kundenabnahme ausgewählt. Dies bedeutet, dass der Porsche zusätzlich zur statischen Kontrolle von einem Audit-Mitarbeiter bei einer Testfahrt mit 65 Kilometer Länge auf Herz und Nieren geprüft wird. Wasserdichtheit, mögliche Störgeräusche und alle Funktionen werden dabei kontrolliert. "Die Kunden akzeptieren das in der Regel, weil sie ja durch die zusätzliche Überprüfung einen Mehrwert haben", sagt Rometsch.