München. Die Autobranche ließ sich die Schaltung der klassischen Werbung im ersten Quartal dieses Jahres 432,6 Millionen Euro kosten. Damit haben die Unternehmen ihre Ausgaben im Vergleich zum Vorjahreßeitraum erheblich heruntergeschraubt. Zu diesem Ergebnis kommt das Hamburger Institut Nielsen Media Research, das exklusiv für Automobilwoche die Werbeausgaben in Deutschland auswertet.
In den ersten drei Monaten dieses Jahres investierten Autohersteller, Händler und Zulieferer knapp 16 Prozent weniger für Anzeigen, TV-, Kino-, Radiospots und Plakate als im ersten Quartal 2007. Ein Grund dafür ist der große Rückgang bei der Plakatschaltung um 75,8 Prozent. Anfang des vergangenen Jahres hatten VW und Toyota mit gigantischen Plakataktionen auf ihre neuen Modelle Golf und Auris hingewiesen.
Obwohl Volkswagen die Werbeausgaben im ersten Quartal um 20,8 Prozent auf 40,3 Millionen Euro kürzte, liegt das Unternehmen auf Platz eins im Ranking der spendabelsten Autohersteller. VW bewarb in diesem Zeitraum in TV- und Printkampagnen mit dem Model Heidi Klum und dem US-Sänger Seal unter anderem das neue SUV Tiguan.
VW steht trotz der erheblichen Einsparungen an der Spitze, weil auch andere Hersteller bei der Werbung zum Rotstift gegriffen haben. So reduzierte Volumenhersteller Opel die Werbekosten um 10,1 Prozent auf 36,6 Millionen Euro und befindet sich damit auf Platz zwei. Die Rüsselsheimer nutzen verstärkt die Medien, um ihren neuen Slogan "Entdecke Opel" bekannt zu machen.
Auf dem dritten Rang der werbefreudigen Autohersteller liegt Toyota mit 32 Millionen Euro, gefolgt von Renault (31,5) und Daimler (24,4). Im Vergleich zum Vorjahr strich der Importeur Toyota die Investitionen um fast die Hälfte (minus 48,6 Prozent).
Insgesamt zahlte die Autoindustrie den größten Betrag (156,2 Millionen Euro) für TV-Werbung. Für Anzeigen in Zeitungen ließen die Unternehmen 130 Millionen Euro springen. In Publikumßeitschriften schalteten sie Anzeigen für 77,3 Millionen Euro, in Fachzeitschriften für 5,4 Millionen Euro. In allen genannten Medien haben die fünf großzügigsten Autobauer ihre jeweiligen Werbeschaltungen in Höhe einer zweistelligen Prozentzahl reduziert.
Kaum betroffen von den Sparmaßnahmen ist der Hörfunk: Für Radiospots gab die Branche mit 52,3 Millionen Euro nur 900.000 Euro weniger aus als im ersten Quartal 2007. Das meistbeworbene Auto ist der neue Focus: Für ihn schaltete Ford Reklame in Höhe von 13,5 Millionen Euro. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts wurden im ersten Quartal 12.011 Einheiten des Focus zugelassen. Damit liegen die Werbeausgaben pro verkauftes Auto bei rund 1124 Euro.