München. Dabei wird der Halbleitersektor nicht nur mit der steigenden Fahrzeugproduktion wachsen, sondern auch mit der rasch steigenden Anzahl von Halbleitern im Auto. „Für die weltweite Fahrzeugproduktion erwarten wir einen durchschnittlichen Zuwachs um 4,2 Prozent von 79,2 Millionen Einheiten im Jahr 2012 auf 105,9 Millionen im Jahr 2019“, ergänzt Felix Kuhnert, Automotive-Chef bei PwC. „Generell gilt in der Halbleiterindustrie, dass mehr und mehr Funktionen auf einem Chip untergebracht werden. Wo Radios noch vor wenigen Jahren aus mehreren Chips und Hunderten von Einzelkomponenten wie Dioden und Widerständen bestanden, reicht heute ein Chip von der Größe meines kleinen Fingernagels“, verdeutlich Lars Reger, Entwicklungschef im Geschäftsbereich Automotive bei NXP Semiconductors Deutschland. Wachstumschancen für die Speichermedien gibt es in vielen Bereichen. „Der wesentliche Treiber ist weiterhin die Reduzierung des Treibstoffverbrauchs, insbesondere durch die zunehmende Elektrifizierung, da immer mehr Fahrzeuge mit Hybridantrieben auf den Markt kommen“, erklärt Klaus Meder, bei Bosch Vorsitzender des Bereichsvorstands Automotive Electronics. Dies führe zu einer noch weiter reichenden Elektrifizierung von Systemen im Fahrzeug. Zudem sieht er einen Trend zu mehr Sicherheits- und Komfortfunktionen auf dem Weg zum automatisierten Fahren.
Verlockende automobile Halbleiterwelt
Beim japanischen Elektronikanbieter Toshiba sieht man Speicherchips mit einem jährlichen Plus von zehn Prozent als einen der am stärksten wachsenden Produktbereiche bei automobilen Halbleitern. Nand-Flashspeicher, die sich durch eine serielle Anordnung der einzelnen Speicherzellen auszeichnen, werden mit jährlich rund 20 Prozent Wachstum sogar noch stärker zulegen.„Heute ist der Markt für Automotive- Nands noch recht klein. Wir schätzen, dass sich der Markt in den nächsten vier Jahren auf mehr als 200 Millionen Dollar in Europa verdoppeln wird“, heißt es bei Toshiba weiter. Als Motor des Wachstums sieht das Unternehmen vor allem den Infotainmentsektor. Zunehmend verbaut wird die Technik aber auch bei Kombiinstrumenten, Farbdisplays und Telematiksystemen. Peter Peisker, bei Texas Instruments als Automotive Director für die Regionen Afrika, Europa und den Nahen Osten zuständig, sieht in den nächsten Jahren neben Chiplösungen für kamerabasierte Fahrerassistenz- auch Infotainmentsysteme als große Treiber im automobilen Bereich. Zudem biete der steigende Sicherheitsbedarf im Fahrzeug neue Wachstumsmärkte bei Zugangskontrollsystemen. „Aber auch der eCall als Standardausstattung in Autos ab 2015 wird in Europa einen Beitrag liefern“, ist er überzeugt. Darüber hinaus treibe das 48-Volt-Bordnetz den Einsatz neuer „Powermanagementlösungen“. Und in den Bereichen Sensorik und Motorkontrolllösungen ergeben sich weitere Chancen für analoge und hochintegrierte Bausteine.
NXP-Manager Reger verweist in der Automobilentwicklung neben der Elektrifizierung des Antriebsstrangs wie Bosch-Manager Meder auf das unterstützte beziehungsweise automatisierte Fahren als Trend. Besonders das automatisierte Fahren stelle dabei hohe Anforderungen an die Vernetzung der Fahrzeuge und die funktionale Sicherheit der Assistenzsysteme. „Diese wiederum erfordert höchste Standards bei der Datensicherheit, denn es gilt zu verhindern, dass Fahrzeuge gehackt und manipuliert werden können.“ Einen wachsenden Bedarf an IT-Sicherheit registriert auch Jochen Hanebeck, Leiter der Division Automotive bei Infineon. „Bei den Automobilherstellern wächst der Wunsch nach höherem Manipulations- und Tuningschutz ihrer Fahrzeuge. Außerdem soll die Datenübertragung sowohl innerhalb des Autos wie auch von und zum Fahrzeug abgesichert werden. Allerdings entwickeln sich die Geschäfte für Halbleiter je nach Anwendung unterschiedlich. „Es gibt immer dort einen starken Preisverfall, wo es kurze Produktlebenszyklen gibt. Als Halbleiterlieferant kann ich beim Auto eher mit einem langen Zyklus rechnen. Beispielsweise für Chips im Antriebsstrang oder auch bei vielen Sicherheitsfeatures“, erklärt PwC-Manager Ballhaus. Bei anderen Anwendungen löse man sich aber auch vom Produktlebenszyklus des Fahrzeugs, etwa bei Lösungen fürs Infotainment. PwC-Kollege Kuhnert unterscheidet zwischen Speichertechnologien und Prozessoren. „Bei Prozessoren, die bestimmte Anwendungen abarbeiten wie bei der Motorsteuerung, ist der Preisverfall nicht so groß, weil Anbieter dort häufig für einen bestimmten Zeitraum ein Alleinstellungsmerkmal haben.“ Das sei im einfachen Speichergeschäft nicht zwingend der Fall. „Das Geschäft verläuft dort zyklischer.“