Paris. Thierry Morin, Chef des Zulieferers Valeo, ist fest vom russischen Markt überzeugt: „Wir glauben, dass Russland 2015 der Automobilproduktionsstandort Nummer eins in Europa sein wird." Um darauf vorbereitet zu sein, wollen die Franzosen bis Ende 2008 in Russland mit verschiedenen Partnern mehrere Werke in Betrieb nehmen.
Laut Morin handelt es sich dabei um lokale Unternehmen, mit denen man zusammenarbeiten will. Das könnten sowohl andere Zulieferer wie auch Unternehmen sein, die erst ins Automobilgeschäft einsteigen wollen. Derzeit sei die russische Automobilindustrie noch auf Zulieferer wie Valeo mit deren erprobten Prozessen, Technologien und industriellem Know-how angewiesen, bis sich eine eigenständige russische Zulieferindustrie entwickelt hat.
Ungeachtet dessen schreiten die Umbaupläne des Konzerns, der im vergangenen Jahr 9,7 Milliarden Euro Umsatz erreichte, weiter voran. Getrieben wird die Reorganisation in erster Linie von Valeos größtem Anteileigner, dem US-Investor Pardus, der knapp 20 Prozent am Zulieferer hält. Laut Morin plant Valeo weiterhin den Verkauf von Geschäftssparten mit einem Umsatzvolumen von insgesamt zwei Milliarden Euro. Im Gegenzug will das Unternehmen in gleicher Höhe zukaufen. „Wir haben jetzt die Hälfte des Weges erreicht", so Morin.
Die Franzosen hatten zu Jahresbeginn etwa ihre Bordnetzsparte mit einem Umsatz von 543 Millionen Euro (2006) für rund 255 Millionen Euro an den deutschen Zulieferer Leoni verkauft. Und vor rund zwei Monaten übernahm der schwedische Finanzinvestor EQT von Valeo die Abteilung Lkw-Motoren-Kühlung mit zuletzt 176 Millionen Euro Jahresumsatz.
Verlagerungen im Einkauf
Um die Ertragslage zu verbessern, hält Valeo auch an dem Vorhaben fest, den Einkauf in sogenannten Niedriglohnländern außubauen. „Bis 2010 wollen wir 70 Prozent unseres Einkaufsvolumens aus diesen Ländern beziehen. Jetzt sind wir bei 37 Prozent, also auf halbem Wege", erläutert der Unternehmenschef.
Auf der Produktseite gehören etwa Start-Stopp-Systeme zu den Hoffnungsträgern des Zulieferers. Morin erwartet, dass das Geschäft mit solchen Systemen ab dem Jahr 2011 profitabel sein wird. Dazu sollen vor allem größere Aufträge des französischen Fahrzeugherstellers PSA beitragen. „Außerdem gib es starkes Interesse von chinesischen Herstellern", äußert sich Morin optimistisch. Der Manager geht davon aus, dass in etwa vier Jahren die ersten chinesischen Fahrzeuge mit solchen Systemen ausgestattet sein werden. Morin: „In zehn Jahren steckt die Technik in jedem Auto der Welt."
Ein weiterer Hoffnungsträger für den Zulieferer ist die automatische Einparkhilfe, die im April 2007 im VW-Modell Touran erstmals auf den Markt kam. Morin ist vom Erfolg angenehm überrascht: „Heute liegen uns 16 Bestellungen dafür vor, alle gingen in den ersten zwölf Monaten nach der Einführung ein. Das ist ziemlich selten."
Der Valeo-Chef ist überzeugt davon, auch mit Produkten für Low-Cost-Cars profitabel arbeiten zu können. „Billigautos zu beliefern bedeutet nicht, dass man kein Geld verdienen kann", so Morin. So liefert Valeo für den indischen Kleinwagen Tata Nano die Kupplung. „Sie wird in unserer indischen Fabrik in Chennai zu sehr wettbewerbsfähigen Kosten und mit höchsten Standards hergestellt."
Wie die gesamte Zulieferbranche, so leidet auch Valeo unter den weiter steigenden Preisen für Rohstoffe. Durch Gewichtsreduzierungen, andere Materialien und einer intensiven Zusammenarbeit mit den Sublieferanten sei es gelungen, rund die Hälfte des Kostenanstiegs zu kompensieren. Ein weiteres Viertel konnte an die Fahrzeughersteller weitergereicht werden. Das letzte Viertel hatte Valeo zu verkraften.