München. Der ganz große Knall in der Zulieferindustrie ist bislang ausgeblieben. Noch Ende vergangenen Jahres hatten sich Automobilexperten mit Horrorszenarien über die bevorstehende Konsolidierung der Branche gegenseitig übertroffen. Doch warum ist es nicht dazu gekommen? Und hat die Zulieferbranche die Krise schon hinter sich gelassen? "Ob die Krise schon überwunden ist, lässt sich nur schwer abschätzen“, meint Stefan Bratzel vom Center of Automotive der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Neueinstellungen im größeren Rahmen würden derzeit bei den Zulieferern vermieden, "weil man dem Aufschwung und der Nachhaltigkeit noch misstraut“. Und Risiken gibt es einige.
Dazu gehören für Bratzel Aspekte wie Euro-Krise, Staatsverschuldung, steigende Rohstoffpreise, die weitere Entwicklung des US-Markts und eine Überhitzung der chinesischen Wirtschaft, die das derzeitige Wachstum maßgeblich treibt. Zudem wird für viele Unternehmen die Refinanzierung schwieriger. Etliche Banken verkleinern und verändern ihr Portfolio zuungunsten der Automobilindustrie. "Bis zum Jahr 2008 waren den Unternehmen die Kredite zu niedrigen Zinsen ja fast hinterhergeworfen worden“, erinnert sich Bratzel. Wenn bei den Zulieferern in den Jahren 2012/2013 die Refinanzierung ansteht, "könnte das bei vielen zu einer kritischen Situation führen“.