München. Warum das neue Crossover-Modell nach dem südwestiranischen Nomadenstamm Qashqai benannt ist, weiß bei Nissan Europa eigentlich keiner so genau. Aber es sei "auf jeden Fall ein interessanter Name, über den man spricht", findet Namensexperte Bernd Samland. Allerdings sei er "für ein Volumenmodell suboptimal - der durchschnittliche Familienvater wird Probleme haben, ihn richtig auszusprechen." Und nicht nur der. So sagen die englischsprachigen Nissan-Manager gerne "Käschkai", um sich sofort zu verbessern: "Kaschkai" wird er richtig ausgesprochen. In Japan heißt dasselbe Fahrzeug übrigens Duales - eine auch für europäische Ohren eingängigere Bezeichnung.
Die Kunst, den passenden Namen für ein Auto zu wählen, wird nicht von allen Herstellern beherrscht, weiß Samland, Geschäftsführer des Namensentwicklers Endmark. Beispiel VW: Der Name Phaeton für die Luxuslimousine wurde zur Lachnummer: Schließlich baut Phaeton in der Mythologie mit dem Sonnenwagen seines Vaters Helios einen so gewaltigen Crash, dass ihn Zeus durch einen Blitzschlag bestraft. Massive Probleme macht auch heute noch die richtige Aussprache: Während VW den Wagen "Fäton" nennt, pochen Altphilologen auf die korrekte Aussprache "Fa-e-ton".
Der ebenfalls aus der Mythologie stammende Name Eos für das VW Cabrio "würde genauso gut zu Kia oder Chevrolet passen", bemängelt Samland die "fehlende Regionalität". Grundsätzlich würden Autonamen immer austauschbarer. Die Folge: "Die Namen Picanto, Magentis oder Carens von Kia passen genauso gut zu Toyota, Hyundai oder Mitsubishi."
Einfacher haben es sich Hersteller wie BMW, Audi und Peugeot gemacht, die ihre Modelle durchnummerieren. "Allerdings hat ein Auto mit einem Namen immer mehr Persönlichkeit", gibt Samland zu bedenken. Zudem werde die Nummerierung bei größeren Modellpaletten wie bei Peugeot zunehmend unlogischer, wie der Peugeot 1007 zeige. Mercedes hingegen wählte Buchstaben - "aber eine B-Klasse klingt auch B-wertig", moniert der Namensexperte.
Solche Zahlen- und Buchstabenkombinationen haben auch Vorteile: Im Zuge der Globalisierung muss der Name international funktionieren - und das klappt nicht immer: So könne der VW Tiguan, der sich hierzulande wie eine "Mischung aus Tiger und Leguan" anhört, von Japanern nur schwer ausgesprochen werden, sagt Samland. Peinlich wird es, wenn die Namensstrategen nicht alle Übersetzungsmöglichkeiten überprüft haben: Der Fiat Uno wird im Finnischen mit "Trottel" übersetzt, den Toyota MR II verspotten die Franzosen als "Mer-de" (Mist). Und in Spanien ist der Pajero von Mitsubishi synonym mit einem üblen Schimpfwort.
Kia nennt seinen neuen Kompaktwagen Cee'd (ausgesprochen "Seed", englisch für Saat). "CE" steht für European Community, "ED" für European Design. Ob das die Kunden interessiert?