Palma de Mallorca. Mazda setzt zu einem erstaunlichen Technologiesprung an: Der nur fünftgrößte japanische Autohersteller will mit einem "Skyactiv“ genannten Bündel technischer Maßnahmen den Anschluss an die großen automobilen Trends halten – aber zu einem Bruchteil der sonst üblichen Kosten. Milliardenschwere Neuentwicklungen kann sich Mazda nicht leisten, das gibt ein Ausstoß von jährlich rund 1,2 Millionen Fahrzeugen nicht her. Während andere Hersteller in ähnlicher Lage auf Kooperationen setzen, hat Mazda die Skyactiv-Technik jedoch völlig allein entwickelt. Dabei setzt Mazda weder auf Downsizing noch auf Getriebe mit Spargängen und auch nicht auf kostspielige Hybrid- Entwicklungen. Am ungewöhnlichsten ist der neue Ansatz im Motorenbereich: Die modifizierten Benziner arbeiten mit einem extrem hohen Verdichtungsverhältnis 14:1 – die Dieselmotoren mit einer Verdichtung von ebenfalls nur 14:1, für Selbstzünder ein extrem niedriger Wert (weitere technische Aspekte siehe Automobilwoche 9/2011).
Die Japaner setzen dabei alles auf diese eine Karte – weitere Asse haben sie im Motorenbereich nicht im Ärmel. "Es geht um das Überleben eines vergleichsweise kleinen japanischen Autobauers“, sagte denn auch ungeschminkt Entwicklungschef Kiyoshi Fujiwara im Gespräch mit der Automobilwoche. Auch kleinere Hersteller könnten die notwendigen Skaleneffekte erzeugen, so Fujiwara weiter. "Deshalb haben wir uns bei allen Skyactiv-Komponenten für jeweils eine gemeinsame Architektur und gleichzeitig eine hoch flexible Produktion entschieden.“ Mazda nennt dieses Prinzip "Monotsukuri Innovation“. Dadurch wollen die Japaner den Spagat schaffen, die Produktpalette zu diversifizieren und gleichzeitig Komponenten zu standardisieren.
Deshalb verzichtet Mazda auch auf eigene Öko-Versionen – Skyactiv wird in der ganzen Modellpalette ausgerollt. Monotsukuri erlaube es Mazda, bei zahlreichen Komponenten die gleichen Maschinen und Anlagen zu verwenden, so Fujiwara. So könne Mazda etwa den neuen Zylinderkopf für den 1,6-Liter- und den Zweiliter-Benziner mit denselben Werkzeugen bearbeiten. Gespart hat Mazda auch bei der Automatisierung: "Wir haben keine zusätzlichen Roboter installiert, weil sie nicht flexibel genug sind. Menschen sind da viel flexibler“, erklärt Fujiwara. Insgesamt spare Mazda bei der Montage der neuen Motoren rund 30 Prozent der Arbeitszeit ein. In der Entwicklung seien durch das Baukastenprinzip sogar bis zu 70 Prozent der Entwicklungszeit gespart worden. "Man kann einen Berg von vielen Seiten aus besteigen. Wir sind nicht gezwungen, immer den gleichen Weg nach oben zu nehmen“, sagt Fujiwara in feinster Japan-Diktion.