Wer mit Opel Geschäfte machen will, kommt an Susanna Webber nicht vorbei. Seit September 2010 ist die 43-Jährige für Einkauf und Logistik bei Opel und Vauxhall zuständig und damit die zweite Frau neben Rita Forst im sieben Mitglieder zählenden Vorstand. Durch die Hände der zupackenden Amerikanerin geht ein zweistelliges Milliardenvolumen. Und zupacken muss sie dabei können. "Ich mache meinen Job gut, weil ich qualifiziert dafür bin“, sagt sie ebenso schnörkellos wie selbstbewusst. Hilft es dabei ab und zu, Frau zu sein? Fachlich gebe es keine Unterschiede. Manche Frauen hätten aber ausgeprägtere Soft Skills, fügt sie hinzu. "Frauen hören oft besser zu, sie sind gut bei der Teambildung und sie sind kulturell flexibel.“ All dies seien Eigenschaften, die in einer globalisierten Welt immer wichtiger würden.
Webber fügt diplomatisch hinzu: "Aber es gibt auch immer mehr Männer, die diese Eigenschaften mitbringen.“ Ob sie im Beruf schon jemals diskriminiert wurde, weil sie eine Frau ist? "So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Also alles ganz easy? Nach ein wenig Nachhaken zieht sie Vergleiche: "In den Vereinigten Staaten gibt es sicherlich mehr Frauen in Führungspositionen als in Europa – vor allem, weil Frauen dort besser Beruf und Familie vereinbaren können.“ So gebe es in den USA für berufstätige Frauen einfacheren Zugang zu Kinderbetreuung. Auch leide die gesellschaftliche Anerkennung nicht, wenn Frauen beides wollten und sich nicht vor die Entscheidung Kinder oder Karriere stellen ließen. "Mein Eindruck ist, dass es Frauen in den USA besser gelingt, einen weiblichen Lebensweg zu gehen – mit Zeiten beruflichen Vorankommens und mit Zeiten des Kinderkriegens.“
Das liege aber auch an besseren Strukturen. Webber jedenfalls hat beides geschafft: Die gelernte Betriebswirtin ist verheiratet und hat einen Sohn, meisterte aber auch den beruflichen Aufstieg. 1997 stieß sie im GM-Hauptquartier in Troy (Michigan) zur Einkaufsabteilung hinzu. Danach folgten Positionen im Einkauf und im Kostenmanagement. 2003 hatte sie Lust auf die Alte Welt und wechselte zu GM Europe, wo sie nach nur einem Jahr Direktorin für den Einkauf von elektrischen Komponenten wurde. Im Jahr 2006 kehrte sie zunächst wieder in die USA zurück und war dort für verschiedene Einkaufsabteilungen leitend tätig. Der nächste Karrieresprung kam 2008, als ihr die Leitung der globalen Logistik-Aktivitäten von GM übertragen wurde. Im vergangenen Jahr wurde es dann wieder Zeit für Europa.