München. Da ist es kein Wunder, dass viele Händler trotz der beginnenden Markterholung skeptisch bleiben. „Warten Sie, bis die Kaufanreize der Regierung auslaufen, dann werden die Verkäufe wieder nach unten gehen“, sagte Zúńiga jüngst im Gespräch mit der „New York Times“. Spaniens Regierung, die selbst den Druck der Finanzmärkte spürt, hat eine im Oktober 2012 gestartete Verkaufsförderung bereits zum vierten Mal verlängert. Die Absatzzahlen jedenfalls zeigen endlich wieder nach oben – im September um 28,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmona. Das deutliche Plus ist allerdings auch auf den Basiseffekt zurückzuführen, denn der September 2012 war der schwächste Verkaufsmonat, den Spaniens Autohändler je erlebt haben. Das sehen auch die Experten so: „Der Absturz auf dem europäischen Automarkt scheint gebremst – weiter runter wird es wohl nicht gehen“, schreibt Ernst & Young-Autoexperte Peter Fuß in einer aktuellen Note. Seiner Einschätzung nach kennt die Krise allerdings Gewinner und Verlierer: „Die südeuropäischen Hersteller verlieren in einem schrumpfenden Markt Marktanteile, während der Absatz der deutschen Konzerne trotz Krise einigermaßen stabil bleibt.“ Positiv entwickeln sich in Spanien vor allem die Automobilproduktion und der Autoexport. Auch deshalb kletterte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal erstmals seit Jahren wieder um 0,1 Prozentpunkte. Spaniens Automobilbranche, in der immerhin 250.000 Menschen arbeiten, ist zu einem Schwungrad für die gebeutelte Wirtschaft des Landes geworden. Allein im ersten Quartal wurden in der Branche 2400 neue Jobs geschaffen – die Gold wert sind angesichts einer offiziellen Arbeitslosenquote von 26,3 Prozent und einer noch höheren Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen. Neun Autohersteller betreiben in dem Land derzeit 17 Werke, und 2012 löste Spanien zum ersten Mal Frankreich als zweitgrößte europäische Autonation nach Deutschland ab. So baut etwa Ford seine Fertigung in Valencia aus. Auch Nissan holt aus seinem Werk in Barcelona inzwischen alles an Kapazität heraus, was möglich ist. Der Grund für diese Entwicklung sind vor allem die gesunkenen Lohnkosten in Spanien. So fielen die Lohnstückkosten seit 2009 um zehn Prozent, die Arbeitsproduktivität kletterte in der gleichen Zeit um 13 Prozent. Krisen können für Effizienzschübe sorgen. Davon profitiert nicht zuletzt der Export. „Die spanischen Geschäftsleute, die ihre Koffer gepackt haben, um im Ausland ihre Produkte zu verkaufen, gewinnen jetzt die Schlacht, die die als unbesiegbar geltende spanische Armada von Philipp II. verloren hatte“, triumphierte deshalb jüngst der Unternehmer und ehemalige Minister Manuel Pimentel. Der spanische Automobilherstellerverband ANFAC erwartet inzwischen für 2014 eine Produktionssteigerung um neun Prozent auf 2,4 Millionen Fahrzeuge. Auch die VW-Marke Seat baute in Spanien in den ersten neun Monaten 2013 mehr Autos als im Vorjahreszeitraum. „Spanien hat die Krise genutzt und seine Hausaufgaben gemacht“, fasst Javier Pujol, Chef des Automobilzulieferers Ficosa, die Entwicklung zusammen. Deutlich weniger sei in anderen Krisenländern geschehen, sagt er: „Wir haben Fabriken in Frankreich und Italien, und die Anpassungen, die dort gemacht wurden, waren nicht im Entferntesten vergleichbar.“ Aber nicht nur Hersteller und Zulieferer, sondern auch so manche Autohändler haben unter dem Druck der Krisenjahre ihre Kosten reduziert, wie Toyotas Europa-Vertriebschef Daniele Schillaci im Interview erläutert. Silberstreif in Frankreich Nach oben weist die Entwicklung unterdessen nicht nur in Spanien, sondern auch in Frankreich. Dort legten die Neuzulassungen im Oktober um 2,6 Prozent zu, der zweite positive Monat in Folge nach jahrelangem Abwärtstrend. Für das Gesamtjahr 2013 erwartet der Herstellerverband CCFA inzwischen nur noch ein Minus von sechs Prozent, zuvor hatte man noch einen Rückgang um acht Prozent befürchtet. „Der Markt erholt sich. Er hat wirklich den Boden erreicht“, meint nicht nur der Verkaufschef von Renault in Frankreich, François Roudier. Tatsächlich konnten im Oktober die heimischen Hersteller am meisten hinzugewinnen, Renault um sechs Prozent, Peugeot und Citroën um 4,1 Prozent. „Wir haben immer gesagt, dass die französischen Hersteller die Modelle für die breite Mitte des Markts anbieten – und jetzt haben wir den Beweis dafür, dass wir damit richtigliegen“, meint Roudier aufatmend.
Südeuropa blüht wieder auf
Javier Díaz Zúńiga kann es noch nicht so recht glauben. „Die Regierung beruft sich auf die besseren Zahlen und erklärt, dass es in Spanien wieder aufwärts geht. Aber die Leute messen diesen Zahlen zu viel Bedeutung bei.“ Zúńiga ist Autohändler auf der Madrider Automeile Principe de Vergara – und die vergangenen sechs Jahre waren für die Branche in Spanien eine einzige Katastrophe. 2007 wurden dort noch 1,7 Millionen Neuwagen verkauft, im laufenden Jahr dürften es gerade noch 700.000 werden.
Tiefpunkt in Italien
In Italien dagegen ist von einer Aufhellung auf dem Automarkt noch nichts zu sehen. Die Verkaufszahlen liegen historisch niedrig. Dem Präsidenten des italienischen Herstellerverbands ANFIA, Roberto Vavassori, bleiben nur statistische Erkenntnisse: Man habe im Oktober „zum 26. Mal in Folge einen Rückgang verzeichnet und kaum mehr Neuwagen verkauft als im Oktober 1977“, klagt er. Ende Oktober kamen deshalb Manager von Fiat und anderen Unternehmen der Branche sowie erstmals auch Vertreter des Autohandels im Industrieministerium zusammen, um über nationale Stützungsmaßnahmen zu beraten – bislang noch ohne Ergebnis.