Der VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte hat dem Unternehmen zufolge keinen Einfluss auf die Strategie alternativer Antriebe. "Wir halten technologisch alle Trümpfe in der Hand und können diese dann je nach Markterfordernissen ausspielen", sagte Daimler-Chefentwickler Thomas Weber der Automobilwoche.
Bei VW und Audi hat "Dieselgate" dagegen ein Umdenken bewirkt. So kündigte VW-Markenchef Herbert Diess als eine der ersten Maßnahmen eine konsequentere Elektrifizierung der Flotte an. Dabei helfen soll ein eigener Baukasten für E-Modelle. Das Flaggschiff Phaeton wird in seiner nächsten Generation rein elektrisch fahren.
Auch die Brennstoffzelle hat in der neuen Strategie ihren Platz. Anfang des Jahres kaufte die VW-Tochter Audi vom kanadischen Brennstoffzellen-Spezialisten Ballard Power Systems ein Paket an Patenten, um die Technologie voranzubringen. Sie sollen dem gesamten Konzern zur Verfügung stehen. Audi hat zudem mit dem A7 h-tron bereits einen Technologieträger präsentiert, der relativ nahe an der Marktreife ist. Das Credo von Audi-Chef Rupert Stadler lautet: "Audi kann bei der Brennstoffzelle in die Serienproduktion einsteigen, sobald der Markt und die öffentliche Infrastruktur es rechtfertigen."
Auch BMW widmet der Brennstoffzelle wieder mehr Aufmerksamkeit und hat jüngst in Kooperation mit Toyota ein Antriebskonzept vorgestellt, das mit einem Carbon-ummantelten Wasserstoffspeicher und einem innovativen Betankungssystem Akzente setzt. Neben einer Prototypen-Testflotte von zehn Fünfer GT ist der saubere Antrieb auch in einem speziellen i8 verbaut.
Dass die heimischen Hersteller damit wie bei der Hybridtechnik den Japanern hinterherfahren, muss kein Nachteil sein. "Es handelt sich um einen Marathon, bei dem wir erst am Anfang stehen", sagt Werner Tillmetz, Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien am Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg. Die Hersteller hätten noch immer gute Chancen, vorn mit dabei zu sein.
Daimler-Entwicklungschef Weber lobt sogar das Engagement der Japaner. "Dies hilft insbesondere dem rechtzeitigen Aufbau einer flächendeckenden Wasserstoff-Tankstelleninfrastruktur – eine solche Technik lässt sich nicht im Alleingang durchsetzen." Tillmetz sieht aber Defizite bei der langfristigen Strategie: "Wir müssen aufpassen, dass wir die Wertschöpfung für die Autoindustrie der Zukunft im Land halten." So müsse zur Durchsetzung der Brennstoffzellen-Technologie auch eine Zulieferindustrie mit entsprechendem Know-how aufgebaut werden.