München. Für die einen ist es ein "Horrorjahr" (GM Europe-Chef Carl-Peter Forster), für die anderen der "ganz normale Wahnsinn" (Autohändler Burkhard Weller). Der Blick auf die monatlichen Zulassungsstatistiken war in diesem Jahr für Automanager schwer zu ertragen. Von Januar bis Oktober schrumpften die Neuzulassungen um 7,6 Prozent auf 2,62 Millionen. Zum Jahresende dürfte sich der Abwärtstrend noch beschleunigen: Für das Gesamtjahr erwartet kaum noch jemand mehr als 3,1 Millionen Neuzulassungen. 2007 ist das schwächste Autojahr seit der Wiedervereinigung.
Wird nun im neuen Jahr das günstigere Konsumklima für einen Autofrühling sorgen? Die Branchenexperten sind vorsichtig geworden. Ihre Prognosen schwanken angesichts der politischen Ungewissheiten zwischen 3,0 und 3,4 Millionen Neuzulassungen, ergab eine Umfrage der Automobilwoche.
Einigkeit besteht nur in einem: Eine Garantie, dass die Deutschen jedes Jahr 3,5 Millionen neue Autos kaufen, gibt es nicht mehr. "Wenn wir weiter von 3,5 Millionen Stück pro Jahr ausgehen, dann holen wir uns die Rabattitis selbst ins Haus", warnte ZDK-Präsident Robert Rademacher bereits im Sommer.
Auch Nicholas J. Dunning, Chef der Händlergruppe Gottfried Schultz, ist illusionslos: "Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir uns mit der Marktsituation in Deutschland arrangieren müssen." Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) hat viele Mitglieder in seinen Reihen, die 2007 ein zweistelliges Absatzminus verzeichnen. Entsprechend vorsichtig ist die VDIK-Prognose: "Wenn den Bürgern die Verunsicherung durch die jetzt im Raum stehende Änderung der Kfz-Steuer genommen wird, es eine staatliche Förderung abgasärmerer Fahrzeuge gibt und die Kraftfahrkosten nicht noch weiter steigen, wird sich der Privatmarkt im kommenden Jahr langsam erholen können, allerdings auf niedrigem Niveau", formuliert es Verbandspräsident Volker Lange.
Auch das Institut für die Automobilwirtschaft (IFA) rechnet nur mit einer leichten Erholung. "Aufgrund steigender Realeinkommen und einer rückläufigen Arbeitslosigkeit könnte sich das Konsumklima für die Anschaffung langlebiger Konsumgüter verbessern", prognostiziert Institutsdirektor Willi Diez. Er hält einen Anstieg auf 3,28 Millionen Neuzulassungen für möglich. Allerdings bleiben die Marktrisiken hoch, warnt Diez. Neben der unvorhersehbaren Entwicklung des Ölpreises seien das in erster Linie die Diskussion um die CO2-Steuer und die geplanten EU-Schadstoff-Grenzwerte. Und an die Adresse der deutschen Hersteller gerichtet fügt Diez hinzu, dort habe man das Thema Ökologie "zweifellos unterschätzt".
Die Autohersteller erwarten nahezu unisono, dass der Gesamtmarkt in Deutschland zumindest im ersten Halbjahr 2008 nicht wirklich an Fahrt gewinnt. Einige Marken hoffen dennoch, sich der negativen Autokonjunktur entziehen zu können. Neue, attraktive, zeitgemäße und obendrein sparsame Fahrzeuge werden weiter gefragt sein und sich am Markt durchsetzen. So hofft es beispielsweise BMW: Es bestehe zwar weiter eine starke Kaufzurückhaltung, sagt Deutschland-Vertriebschef Ludwig Willisch. "Für die BMW Group hoffen wir aber auf Absatzimpulse durch unsere zahlreichen attraktiven Produktneuheiten wie das Einser Coupé, Einser Cabrio und Mini Clubman sowie durch unsere Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen mit Efficient Dynamics."
Auch Audi sieht sich trotz einer nur leicht positiven Marktentwicklung 2008 auf der Überholspur. "Die Absatzentwicklung von Audi wird von unserer Modelloffensive profitieren. Besonders vom A4 erwarten wir positive Effekte", sagt Vertriebschef Jörg Felske. "Innovative, hochwertige, emotionale Fahrzeuge sind der beste Kaufanreiz."
Bei Ford setzt man auf die zahlreichen Neuerscheinungen wie Focus, Kuga und Fiesta. "Wir erwarten, dass der Privatmarkt einen Tick besser läuft als in diesem Jahr. In Zahlen ausgedrückt dürften es etwa 100.000 Einheiten mehr sein", sagt Deutschland-Vertriebschef Jürgen Stackmann. Bei Opel sieht man keinen Grund für eine Erholung. "Die Kunden werden weiter abwarten", heißt es in Rüsselsheim. Ins gleiche Horn stößt Skoda: "Noch immer belasten viele Unsicherheiten das Geschäft", sagt Deutschland-Chef Alfred E. Rieck. "Und vom Gesamtmarkt abkoppeln kann sich ungeachtet aller Verkaufserfolge auch Skoda nicht."
Analysten betonen in ihren Prognosen die Bedeutung der politischen Rahmenbedingungen für die Automobilkonjunktur in Deutschland. "Das Kabinett sollte noch vor der Sommerpause 2008 eine CO2-basierte Kraftfahrzeugsteuer beschließen, die dann bis Jahresbeginn 2009 durch den Bundesrat geht", fordert etwa Global Insight-Analyst Christoph Stürmer. Dann könne es bei den Neuzulassungen sogar ein Plus von sechs Prozent auf 3,35 Millionen Pkw geben. Der hohe Benzinpreis spiele bei der Kaufzurückhaltung praktisch keine Rolle, glaubt er. Abschreckend wirkten indes die Fahrzeugpreise, die längst nicht mehr "marktkonform" seien.
Der durchschnittliche Neuwagenpreis sei 2007 um 6,5 Prozent auf 24.953 Euro gestiegen und damit der Reallohn-Entwicklung "davongelaufen", glaubt auch Automarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Solch hohe Fahrzeugpreise wirkten in der derzeitigen Marktsituation geradezu "abschreckend".