Frankfurt/Main. Einbrechende Restwerte können für Autohändler wie eine Guillotine wirken: Wer den Kopf zu weit vorstreckt, kann ihn verlieren. Von dieser Gefahr kann Jens Bergmann vom VW/Audi-Autohaus Sessner in Kitzingen ein Lied singen. Ende Juni musste die Geschäftsführung Antrag auf Insolvenz stellen. Scheinbar lukrative Vermietgeschäfte 2007 und 2008 entpuppten sich als Rohrkrepierer. „Da ging es um 11.000 Autos, die ein Minus von 30 Millionen Euro verursacht haben“, räumt Bergmann heute ein.
Nach Ansicht von Michael Bergmann, Geschäftsführer des Marktdaten-Dienstleisters Eurotax- Schwacke, sind viele dieser Fehlentwicklungen vermeidbar. „In Krisenzeiten werden wir oft um Rat gefragt. Eine häufige Frage lautete: Sollen wir die Leasingrückläufer jetzt reinholen oder den Vertrag doch noch verlängern? Da herrschte oft große Hilflosigkeit.“ Viele Händler hätten sich nach der Krise mehr oder weniger aus dem Leasinggeschäft zurückgezogen, um das Restwertrisiko zu vermeiden, bedauert Bergmann. „Jetzt steigen einige Händler wieder ein, teilweise weil die Hersteller oder Importeure das Restwertrisiko abdecken. Es fehlen ihnen nun die Fahrzeuge, die sie gewinnbringend verkaufen könnten.“
Der Schwacke-Chef beobachtet aber, dass einige Autohändler aus der Krise gelernt haben: „Sie haben erkannt, dass sie ihr Gebrauchtwagengeschäft professionalisieren und die Risiken in den Griff bekommen müssen.“ Den Zeitpunkt, wieder in dieses Geschäft einzusteigen, hält Bergmann jetzt für gekommen. Denn seit Anfang 2010 sind laut Schwacke die Restwerte von Gebrauchtwagen in Deutschland um zehn Prozent gestiegen. „Wir werden immer wieder Schwankungen erleben, aber keine Ausschläge mehr wie in den vergangenen Jahren.“