Köln. Stefan Lamm, Chefdesigner Exterieur bei Ford of Europe, sagt der Limousine eine große Zukunft voraus. "Mit zeitgemäßen Anpassungen könnte die vielfach bereits totgesagte automobile Spezies sogar eine neue Stufe der Evolution erklimmen", glaubt Lamm, der 2005 zu Ford stieß und dort in wenigen Monaten das vielfach gerühmte Concept-Car Iosis X schuf, den Wegbereiter des aktuellen Kinetic Design von Ford.
"Ich sehe, dass die Limousine wieder attraktiver wird. Das sieht man natürlich an unserem neuen Mondeo, aber beispielsweise auch am neuen Passat CC", sagt Lamm, der kein Problem damit hat, auch einmal die gute Leistung eines Wettbewerbers zu loben.
"Man muss die moderne Limousine neu interpretieren. Sie wird in Zukunft wesentlich stylischer sein als bisher und insgesamt deutlich sportlicher." Einen Hauptgrund dafür sieht Lamm in den veränderten Erwartungen älterer Autokäufer. Die ältere Generation von heute wolle nichts mehr mit dem Muff der 50er-Jahre zu tun haben. Sie sei in einer Zeit mit großer Medienvielfalt und vielen internationalen Einflüssen aufgewachsen. "Deshalb wollen heute auch ältere Menschen ein frisches Auto fahren, beispielsweise den Mercedes-Benz CLS", so Lamm.
Generell seien die Autokäufer heute wesentlich designorientierter als noch vor wenigen Jahren. "Die Kunden verlangen ein cooles Design. Es muss aber auch schön und emotional sein, sonst klappt das nicht, wie man am Vel Satis von Renault gesehen hat."
Großes Potenzial sieht Lamm noch bei der neuen Gattung der Crossover: "SUV-Crossover sind sicher noch nicht am Ende der Entwicklung angelangt." Für die Hersteller sei dieses Segment auch deshalb so verlockend, weil damit jede noch so kleine Zielgruppe anvisiert werden könne. Ford peile mit dem neuen Crossover-Modell Kuga jedoch eine vergleichsweise breite Zielgruppe an: "Wir sehen den Kuga als Auto für junge Familien, die besonders sicherheitsbewusst und freizeitorientiert sind, aber auch eine gewisse Dynamik zeigen wollen."
Dem aktuell viel diskutierten Retro-Design räumt Lamm dagegen keine große Zukunft ein: "Der Fiat 500 ist ein gut gemachtes Retro-Auto, ich glaube aber nicht, dass das wirklich ein Trend ist." Für Ford sei Retro ohnehin kein Thema: "Wir werden unser Kinetic Design weiterentwickeln."
Eher traut Lamm künftigen Antriebstechniken zu, das Design von Autos nachhaltig zu beeinflussen. Etablierte Formen seien nur sehr schwer zu verändern, doch "die Hybrid-Technik und vor allem der Toyota Prius haben in den USA einen Trend angestoßen, Hybrid auch im Design kenntlich zu machen." In Europa sieht er diese Entwicklung jedoch "in weiter Ferne". Langfristig werde der Elektroantrieb aber sicher für neue Anstöße beim Autodesign sorgen.