Berlin. Deutsche Unternehmen, die sich in China engagieren, sollten darauf reagieren, indem sie ihre Kapazitäten dort möglichst flexibel aufbauen. Siebert hält Zeitarbeit oder auch den Aufbau von Zeitkonten für geeignete Mittel. Für ihn steht „China am Scheideweg, ob es sich zu einem reichen Land entwickelt oder ob es in die sogenannte mittlere Einkommensfalle tappt, wie es beispielsweise Brasilien passiert ist“. Das bedeute, dass ein Land an einen Punkt gelangt, an dem es einerseits nicht mehr mit den Niedriglohn-Standorten konkurrieren kann, es der Volkswirtschaft aber auch nicht gelingt, zu den Innovationsführern zu zählen. Zu den Problemen Chinas zählt er die zu geringe Anzahl an Fabrikarbeitern. Parallel dazu sind deren Löhne enorm gestiegen. Zudem bemängelt er die „zu geringe Produktivität Chinas“. Die Auslastung der Werke chinesischer Fahrzeughersteller liege derzeit und mittelfristig bei nur rund 35 Prozent. Ein Grund dafür sei, dass Verantwortliche chinesischer Autobauer weniger an der Höhe ihrer Gewinne gemessen werden, sondern etwa daran, wie viele Mitarbeiter sie im Unternehmen beschäftigen.
Reich der Mitte droht eine Finanzkrise
Für die Autohersteller und deren Zulieferer könnte es in den kommenden Jahren auf dem chinesischen Markt ungemütlicher werden. Jochen Siebert, Geschäftsführer der Unternehmensberatung JSC Automotive Consulting in Schanghai, warnte, dass es dort „in etwa drei Jahren“ zu einer Finanzkrise kommen könne. Die Deutsche Bank halte ein solches Szenario sogar schon im kommenden Jahr für möglich, so der China- Experte.