Paris. Die Funktionen von Tavares werden auf zwei neue Direktorenposten verteilt, die auf der gleichen Stufe stehen wie das Finanzund Personalressort: Künftig werden ein Chief Competitive Officer sowie ein Chief Performance Officer direkt an Ghosn berichten. Die Stellen sollen am 9. September vom Aufsichtsrat genehmigt werden. Tavares hatte Mitte August in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg erklärt, „Lust auf eine Position in der ersten Reihe“ zu haben, es sei jedoch unwahrscheinlich, dass er Ghosn in absehbarer Zeit nachfolge. Er wäre aber „geehrt“, wenn er „eine Firma wie GM führen dürfte“, so Tavares bei Bloomberg. Der Portugiese hatte früher bereits die Geschäfte von Nissan in Nordamerika geleitet und kennt den US-Markt deshalb sehr gut. Tavares hatte den Posten im April 2011 angetreten, nachdem der damalige Markenchef Patrick Pelata in der Affäre um angebliche Spionage den Hut nehmen musste. Seitdem war die Rivalität zwischen Ghosn und Tavares offenkundig. Ghosns Vertrag läuft zwar 2014 aus, der 59-Jährige lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass er weiter an der Spitze beider Marken der Allianz stehen will. Tavares ging deshalb in die Offensive, wohl wissend, welche Folgen er riskiert. Anders als Ghosn, der voll auf die Elektrifizierung des Autos setzt, gilt Tavares als Verfechter einer klassischeren Strategie. Er wollte Renault auffächern in eine Kernmarke Renault, die Budget- Marke Dacia sowie in eine Premium- Submarke „Initiale“ und die sportliche Submarke Alpine. Ob Ghosn an diesen Plänen festhält, ist ungewiss.
Rauswurf bei Renault
Nach öffentlichen Gedankenspielen über seine berufliche Entwicklung hat Renault-Markenchef und -Generaldirektor Carlos Tavares seinen Job verloren. Renault-Nissan-Präsident Carlos Ghosn entließ den 55-Jährigen nach nur zweieinhalb Jahren im Amt. Den Rauswurf nutzt Ghosn zu einer umfassenden Management-Neuordnung, bei der er künftig unangefochten allein an der Spitze von Renault steht.