Bis vor wenigen Jahren noch ist der Zulieferer ZF immer als "der Getriebehersteller" beschrieben worden, Elring-Klinger war "der Dichtungsspezialist", Continental "der Reifenanbieter". Doch die Unternehmen haben sich rasant verändert. ZF baut heute an der Zukunft des vernetzten Fahrens, Elring-Klinger macht mittlerweile mehr Umsatz mit Leichtbau-Motorteilen als mit Dichtungen, Continental ist dick im Geschäft mit Bits & Bytes, Bremssystemen und Innenraum-Technik.
Die Autozulieferer machen einen dramatischen Wandel durch und sind kaum wiederzuerkennen. Sie akquirieren, restrukturieren, bündeln, ordnen, clustern. So wollen die Unternehmen Führungspositionen bei den Megatrends der Zukunft erreichen und gleichzeitig Effizienzvorteile generieren. Größe bedeutet Marktmacht, zumindest daran hat sich nichts geändert.
Womöglich müssen Zulieferer eine noch größere Wandlungsbereitschaft als Autohersteller beweisen. Sie haben viel zu verlieren in der digitalen Revolution, wenn "alte" Hardware nicht mehr verbaut wird, dafür aber neue Produkte ins Auto drängen. Sie treten gegen die neue Konkurrenz der IT-Schmieden an. Klassische Autozulieferer können also nur Schrittmacher der Digitalisierung sein, wenn sie rechtzeitig mitziehen.
Eine rosige Zukunft blüht nicht allen. Verlierer werden die sein, die sich nicht bewegen, die ohne Produkte für das Auto der Zukunft dastehen. Eine gewaltige Konsolidierungswelle steht bevor. Schon jetzt ist die Liste der Insolvenzen deutscher Zulieferer erschreckend lang. In den vergangenen Jahren sind Dutzende Mittelständler pleitegegangen, aus unterschiedlichen Gründen. Im kleinen Mittelstand ist der Anteil gefährdeter Firmen besonders hoch. Sollte die Konjunktur einbrechen, kommt ans Tageslicht, dass sie auf schmaler Kapitalbasis arbeiten und unter hauchdünnen Margen – Stichwort Preisdruck – leiden. Bislang überdeckt die robuste Konjunktur vieles.