Herr Haussmann, Automobilgeschäft und Großbritannien, da herrschte lange Zeit Leere. Seit wann spüren Sie bei Bosch wieder Aufwind in UK?
Wir waren ja niemals draußen aus Großbritannien. Aber in den vergangenen vier Jahren haben wir deutlich gespürt, dass das Interesse an Industrieprodukten und Ingenieurdienstleistungen hier wieder steigt. Das war auch der Grund, weshalb wir uns 2011 mit unserer kleinen Sparte Bosch Engineering im MIRA-Tech no lo - giepark bei Coventry niedergelassen haben.
Wie hat sich das Geschäft von Bosch UK zuletzt entwickelt?
2014 haben wir den Umsatz der gesamten Bosch-Gruppe in UK um zwei Prozent auf 2,3 Milliarden Euro gesteigert. Für 2015 erwarten wir weiteres Wachstum, vor allem in den Bereichen Mobility Solutions und Power Tools.
Mit wie vielen Mitarbeitern sind Sie inzwischen in Großbritannien vertreten?
Wenn man die jüngsten Akquisitionen Bosch Siemens Hausgeräte und ZF Lenksysteme dazurechnet, sind es inzwischen rund 5000 Mitarbeiter an 41 Standorten
Warum haben Sie mit Bosch Engineering überhaupt ein Entwicklungszentrum in Großbritannien gegründet? Wäre die Arbeit nicht auch von Deutschland aus möglich gewesen?
Möglich schon, so haben wir auch einige Jahre lang unsere Kunden in UK betreut. Aber dann hat uns Jaguar Land Rover gefragt, ob wir nicht in die Nähe kommen wollen. JLR war aber nur der Anfang. Inzwischen füllen wir hier gerade auch für kleinere Hersteller eine Marktlücke im Bereich Engineering.
Hat sich die Entscheidung, eine Dependance in Großbritannien zu gründen, auch wirtschaftlich ausgezahlt?
Absolut, schauen Sie sich unsere positive Geschäftsentwicklung an. Unsere Präsenz hat uns schon viele neue Kunden gebracht, und die bestehenden Kontakte zu Bestandskunden wurden vertieft. Zudem ist es für unsere Mitarbeiter und unsere Geschäftspartner sehr leicht, nach Deutschland zu reisen, weil der Flughafen Birmingham in unmittelbarer Nähe liegt.
Wir befinden uns im Technologiepark MIRA. Warum hat sich Bosch Engineering ausgerechnet hier niedergelassen?
Der Technologiepark MIRA mit seinen zahlreichen Möglichkeiten passt zu 100 Prozent zu unseren Bedürfnissen. Hier ist alles an einem Ort – es gibt eine Teststrecke, einen Klimatunnel und die unterschiedlichsten Laboreinrichtungen. Wir können hier komplette Demoautos bauen und testen. Und von hier aus sind die meisten unserer Kunden in nur anderthalb Stunden Fahrzeit zu erreichen.
Gibt es nicht Sorgen wegen eines möglichen Austritts von Großbritannien aus der Europäischen Union?
Europäischen Union? Das würde die industrielle Entwicklung in UK sicherlich zurückwerfen und natürlich auch unser Geschäft negativ beeinflussen. Ich kenne aber niemanden bei unseren Kunden und unseren britischen Mitarbeitern, der sich einen Austritt wünschen würde.