München. Die rasant steigenden Kraftstoffpreise und die abermals verschobene Kfz-Steuerreform setzen den deutschen Autohandel massiv unter Druck. Von der Einführung der neuen Steuer zum 1.1.2009, die zum Kauf sparsamer Fahrzeuge anregen soll, hatte sich die Branche einen erheblichen Aufschwung für den seit Jahren stagnierenden Automarkt erhofft.
„Wir sind sehr enttäuscht, auch mit Blick auf die Umwelt. Mit der neuen Besteuerung hätten wir viele emissionsarme Neuwagen zusätzlich auf die Straße bringen können", sagte VW-Chef Martin Winterkorn zu Automobilwoche.
„Gekniffen ist einmal mehr der deutsche Autohandel", moniert Robert Rademacher, Präsident des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). „Die fortdauernde Unsicherheit, mit welchen steuerlichen Belastungen man demnächst zu rechnen hat, führt im Zweifel dazu, anstehende Kaufentscheidungen aufzuschieben." Diese drohende Entwicklung sei zwar auch für die Automobilhersteller „misslich" - aber die könne in andere Märkte ausweichen. „Das kann der mittelständische Autohandel nicht."
Aber auch in der Industrie mehrt sich der Widerstand gegen das Zaudern der Bundesregierung. Der Politik gehe es „weder um Klimaschutz noch um soziale Aspekte, sondern vielmehr um eine parteipolitische Strategie angesichts bevorstehender Wahlen", kritisiert Volker Lange, Präsident des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK).
In Bayern, wo im September gewählt wird, plädiert die CSU wegen der anhaltend steigenden Spritpreise dafür, zusätzliche Belastungen für Altautobesitzer zu vermeiden. Doch die seien gar nicht so hoch, stellt Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), klar: „Wir reden über einen Betrag, der gerade einmal den Kosten für eine halbe Tankfüllung entspricht - und das einmal im Jahr." Eine Reform, die nur Neuwagen betreffe, sei „ökonomischer Unsinn und ein ökologischer Treppenwitz".
Die neue Kfz-Steuer, die nach dem CO2-Ausstoß bemessen werden soll, tritt nun wohl erst 2010 in Kraft. „Je näher die Wahlen kommen, desto unwahrscheinlicher wird sie", hieß es aus dem Bundesumweltamt.