München. "Wir beobachten bereits seit Jahren eine zunehmende Wertschätzung der Autofahrer für klassische Fahrzeuge“, heißt es beim Schmierstoffhersteller Castrol. Nach Erfahrung der Hamburger zählen hierzu in zunehmendem Maße auch die so genannten Youngtimer, also Fahrzeuge im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Die relativ komplexen Motoren dieser Liebhaberfahrzeuge würden deutlich höhere Anforderungen an die Schmierstofftechnologie stellen, so dass hierfür die klassischen, mild legierten Öle nicht in Frage kommen, sondern einfache mineralölbasische Produkte wie zum Beispiel ein Motorenöl der Viskositätslasse 15W-40, erläutern die Experten. Allerdings: Wurde das Fahrzeug bereits früher mit teil-synthetischen oder synthetischen Schmierstoffen versorgt, so sollte man das beibehalten, empfehlen die Fachleute.
Beim Wettbewerber Liqui Moly wurde eine Reihe von Classic-Motorenölen im ersten Quartal 2011 auf den Markt gebracht. Untersuchungen hatten ergeben, dass es einen Bedarf nach speziellen Schmierstoffen für Motoren von Old- und Youngtimern gebe. Ein Trend der nach Einschätzung der Ulmer weiter zunimmt. "Innerhalb kürzester Zeit haben sich die neuen Produkte im Markt etabliert und verzeichnen jährliche Zuwachsraten im oberen zweistelligen Prozentbereich“, heißt es beim Familienunternehmen.Öle für klassische Fahrzeuge gefragt
Diese neue Produktlinie habe dem Unternehmen viele neue Kunden beschert, die sich ausschließlich mit klassischen Fahrzeugen beschäftigen. Neben dem Qualitätssiegel "Made in Germany" spiele für den Erfolg auch das Verpackungsdesign eine Rolle, sind die Ulmer überzeugt. Aktuell umfasst die Classic-Linie drei Produkte. Eine Erweiterung der Serie sei aufgrund des Erfolges aber denkbar.
Bei Castrol wird darauf verwiesen, dass die Motoren der Oldtimer nicht mit den Nachfolgemodellen der heutigen Zeit vergleichbar seien. Der Grund dafür liege in den geringeren Belastungsgrenzen der älteren Motoren. Daher seien beispielsweise die "Castrol Classic Oils" auf die Bedürfnisse früherer Aggregate sowie die in ihnen verwendeten Weißmetalle, Buntmetall-Legierungen und Dichtungselemente abgestimmt. Zudem seien diese Öle in ihrem Leistungsspektrum den "früheren Ölen" überlegen.Ähnlich sehen das die Ulmer. Oldtimer und selbst Youngtimer älteren Datums verfügen über Motoren mit anderen Werkstoffen, Fertigungstoleranzen und Ölwechselintervallen als moderne Pkw. Zudem benötigen ältere Antriebssysteme andere Öle. Die Liqui Moly Classic-Kollektion umfasst drei Motorenöle in den Viskositäten SAE 30, SAE 50 und SAE 20W-50 HD auf mineralischer Basis. Der Grund: "Dünnflüssige Synthetiköle eignen sich generell nicht für die Aggregate von Oldtimern. Zwar erreicht das dünne Öl schnell Stellen, die schwierig zu schmieren sind wie Kipphebelwelle, Zylinderkopf und Nockenwellenlager, aber bei hohen Temperaturen bildet sich dort keine ausreichende Schmierung speziell in den Kurbelwellen- und Pleuellagern", erklären die Ulmer.
Dabei müssen die Öle über besondere Qualitäten verfügen. Das Öl muss den Motor thermisch entlasten, abdichten, gegen Verschleiß- und Korrosionserscheinungen schützen und die Motorleistung sichern. Mit den Konzeptionen und Belastungen heutiger Aggregate seien die früheren Öle nicht vergleichbar. "Um keinen Motorschaden zu riskieren sind maßgeschneiderte Öle wichtig“, ist man bei Liqui Moly überzeugt.Bei Castrol wird betont, dass die traditionellen, mineralölbasischen Einbereichsöle auf die Bedürfnisse echter Klassikermotoren (mit und ohne Ölfilter) eingehen. Diese Aggregate erfordern ein mild- oder unlegiertes Motorenöl nahezu ohne Additive, das Dichtungen nicht angreift und Ablagerungen im Motor nicht auswäscht.
Mineralölbasische Mehrbereichs-Motorenöle für Motorentechnologie ab den 50er Jahren mit Ölfilter stellen das Bindeglied zwischen den mildlegierten Einbereichs-Motorenölen und den hochadditivierten, modernen Schmierstoffen dar.