Berlin. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können im Berliner Admiralspalast – so leise war es im Publikum, als Timotheus Höttges sprach. Er referierte darüber, wie die Digitalisierung unsere Arbeit verändert und dass die Software über die Hardware siegen wird. Deshalb müssten sich Hersteller fragen, welche Kompetenzen sie in Zukunft brauchen. Für die Autobauer im Saal muss die Rede des Telekom- Chefs auch eine Art Kopfwäsche gewesen sein. Es wurde Höttges aber nicht krumm genommen, im Gegenteil: Minutenlanger Applaus war ihm beschieden.
Timotheus Höttges war als "Dinner Speaker" des Galaabends zweifelsohne ein Höhepunkt des diesjährigen Automobilwoche Kongress – doch längst nicht der einzige. Das Hauptthema "Die Autobranche zwischen Digitalisierung und Deckungsbeitrag" wurde von den Chefs und Vorständen der Hersteller, Zulieferer und des Handels zwei Tage lang intensiv beleuchtet. Dass sich die Branche wegen der Digitalisierung rasant wandeln wird, steht außer Frage. Vor allem aber haben die rund 350 Anwesenden darüber diskutiert, wie man trotz immenser Investitionen und neuer Konkurrenten mit digitalen Konzepten in Zukunft Geld verdienen will. Das vernetzte Auto gilt in diesem Sinne bereits als Renditebringer, während das autonome Fahren noch Zukunftsmusik ist.
Zum neuen, digitalen Denken gehören auch neue Köpfe. Höttges sang ein Loblied auf den Nerd, der die Geschäftsidee hat und diese mit einem kleinen Team verwirklicht – und erst am Ende den BWLer einstellt, der das dann monetarisieren soll. So funktionierten amerikanische Start-ups. "Die Nerds erobern das Business", so Höttges.
Insbesondere scheint die Zeit der Autokraten und Überchefs in den Unternehmen vorbei zu sein. "Zu einer guten Unternehmenskultur gehört es, dass man dem Vorstandsvorsitzenden kritische Fragen stellen darf", sagte Continental- Personalchefin Ariane Reinhart. Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes: "Wenn man nur Jasager um sich versammelt, bekommt man kein gutes Team."