München. Nur wenige Automobilhersteller verfolgen "eine beständige und robuste Strategie für die Nutzung nachwachsender Rohstoffe“, bedauert Alain Choquet, Marketingmanager bei Visteon Interior Systems. Dabei werden die Materialien schon seit vielen Jahren in der Automobilindustrie verwendet.
Eingesetzt werden die Werkstoffe beispielsweise für Tür-, Seiten- und Kofferraumverkleidungen, Hutablagen, als Träger von Instrumententafeln oder bei Armlehnen. Typische Rohstoffe sind Holzfasern, Flachs, Sisal, Hanf oder die juteähnliche Kenafpflanze. Bei Sitzen werden auch Bezugsmaterialien aus Leder und Stoffe mit Baumwollanteil genutzt.Zu den Stärken der Materialien zählen geringes Gewicht, eine neutrale CO2-Bilanz, gute mechanische Kennwerte und ein vorteilhaftes Bruch- und Crashverhalten. So lässt sich das Gewicht einer Türverkleidung beispielsweise um bis zu 30 Prozent reduzieren. Mit nachwachsenden Rohstoffen im Interieur lassen sich aber auch "sichtbare Naturfaseroberflächen sowie verschiedene haptische und farblich abstimmbare Oberflächen“ darstellen, erläutert Fritz Schweindl, Direktor Vorentwicklung beim US-Zulieferer IAC."Mit unserer Ligno-Produktreihe zeigen wir schon jetzt, wie nachwachsende Rohstoffe das künftige Interieur optisch und haptisch ergänzen können“, erklärt Jose Mocholi, Experte für Naturfasern bei Faurecia Innenraumsysteme. Die sichtbaren Oberflächen können mit Stoffen, Häuten oder Leder direkt veredelt werden. Mit LignoEco hat Faurecia einen Werkstoff entwickelt, der allein mit pflanzlichen Materialien eine ansprechende Oberfläche schaffe. Diese könne dann durch einfache und energiearme Verfahren mit Dekorationselementen veredelt werden.Naturfasern bereichern das Interieur
Es gibt immer mehr Anwendungen für nachwachsende Rohstoffe im Fahrzeuginnenraum. Dabei bieten die Oberflächen durchaus eine ansprechende Optik.
Mehr belederte Innenräume
Bei Dräxlmaier sieht man zwei Trends: "Einerseits lassen sich Komponenten aus nachwachsenden Rohstoffen mit Dekoroberflächen kaschieren, sodass Design und Haptik unverändert bleiben“, erklärt Isabella Schmiedel, Leiterin Technologie- und Innovationsmanagement Interieur. "Andererseits hat die Dräxlmaier Group etwa bei Türverkleidungen die natürliche und wertige Materialanmutung der Naturfasern bereits haptisch und optischerlebbar gemacht.“ Welcher Trend sich letztlich durchsetzt, werde die Nachfrage entscheiden.
Beim US-Interieurspezialisten Johnson Controls registriert man schon seit einigen Jahren einen Trend zu hochwertigen Autoinnenräumen. Laut dem Zulieferer nimmt die Bedeutung der optischen und haptischen Anmutung von Innenraumkomponenten zu – neben den Sitzen insbesondere von Instrumententafel, Türverkleidung, Tunnelkonsole und Dachhimmel."Wir sehen aktuell einen Trend zu belederten Autoinnenräumen in allen Fahrzeugsegmenten. So fertigen wir zum Beispiel für das Mercedes-Benz E-Klasse Coupé die Instrumententafel inklusive einer optionalen belederten Variante“, erläutert Werner Klusmeier, Manager für Prozessinnovationen bei Johnson Controls.Enttäuscht zeigt man sich bei Visteon über die Verbreitung nachwachsender Rohstoffe: "Verschiedene Marktanalysen hinsichtlich Qualität und Anmutung zeigen ein nur geringes Interesse an erneuerbaren oder wiederverwerteten Materialien als dekorative Elemente im Fahrzeuginterieur, bedauert Marketingmanager Choquet. Und das, obwohl sich diese Materialien "aufgrund ihrer Eigenschaften hervorragendzur Bauteilverstärkung zum Beispiel unter Verwendung von Naturfasern anstelle der heute üblichen Glasfasern in Polypropylen“ eignen.Zu den Nachteilen zählen unterschiedliche Qualitäten der Naturfasern in den verschiedenen Weltregionen und zum Teil auch ein höheres Preisniveau.