München. Die Finanz- und Absatzkrise hat in der Zulieferindustrie bereits erste Opfer gefordert. Unternehmen wie Stankiewicz, TMD Friction, Wagon Automotive und Tedrive gehörten zu den ersten Lieferanten, die in finanzielle Schieflage gerieten. Hans-Georg Härter, Vorstandschef des Getriebebauers ZF Friedrichshafen, sieht insbesondere jene Zulieferer unter Druck, die von Private-Equity-Firmen übernommen wurden und denen die Finanzinvestoren die Zinslast des Zukaufs aufgebürdet haben.
Eine Aussage darüber, wie hoch der Anteil der Zulieferer ist, die von einer Insolvenz bedroht sind, hält Stefan Schwarz „aus wissenschaftlicher Sicht nicht für möglich“. Schwarz ist Manager am Center für Automobil-Management (CAMA) an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Gemeinsame Anstrengungen der Insolvenzverwalter, des Managements der betroffenen Zulieferer, deren Arbeitnehmervertretungen sowie der Kunden (Fahrzeughersteller) haben in vielen Fällen dafür gesorgt, dass die Lieferkette nicht gerissen ist.
Doch Schwarz sieht keinen Grund zur Entwarnung: „Die Gefahr ist präsent.“ Aus seiner Sicht stehen in erster Linie nicht die großen System- und Direktlieferanten, sondern vor allem Unternehmen der zweiten und dritten Lieferantenebene unter immensem Druck. Sollte sich die Absatzkrise weiter verschärfen, würden „die Fahrzeughersteller und die großen Systemlieferanten von der Häufung der Probleme bei Unternehmen der zweiten und dritten Zulieferebene einfach erschlagen. Und dann würde es wohl auch zu dem einen oder anderen Bandstopp kommen.“