Hattersheim. Mitsubishi hat mit einer provokanten Aktion den Deutschen Werberat auf den Plan gerufen. Der Rat hat einen Flyer des japanischen Autobauers zur Prüfung an den Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) weitergeleitet. "Es könnte sich dabei der Verdacht erhärten, dass Mitsubishi gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) verstoßen hat“, so der Sprecher von Werberat und ZAW, Volker Nickel, zur Automobilwoche.
Mitsubishi provoziert mit "Rückruf"-Aktion
Mitsubishi sendet nach eigenen Angaben seit Mitte Februar insgesamt 28 Millionen Werbeflyer in nahezu jeden deutschen Haushalt. Darin legt sich der Importeur mit einem halben Dutzend stärkeren Rivalen an und vergleicht sein Kompakt- SUV Outlander mit den etablierten Kombis von VW, Opel, Ford, Renault, Toyota und Mazda. Im Stil der RAF-Fahndungsplakate der 70er-Jahre sucht Mitsubishi unter der Überschrift "Dringend gesucht“ und "Rückruf-Aktion“ beispielsweise nach Haltern eines VW Passat Variant: "Gesucht wegen zu hohem Preis“. Auch der Opel Vectra Caravan bekommt sein Fett weg: "Gesucht wegen seines langweiligen Designs“. Die Wettbewerber sind "not amused“, wollen den Ball aber flach halten: "Denen muss es schon sehr schlecht gehen, wenn sie zu solchen Mitteln greifen“, heißt es bei einem Wettbewerber.
Mitsubishi-Deutschland-Chef Martin van Vugt zeigt sich unbeeindruckt: "Natürlich ist das polarisierend, aber doch nicht beleidigend.“ Man habe sich rechtlich abgesichert und werde die Kampagne in ähnlicher Form fortführen. "Zugegeben, ich suche damit die Grenze. Aber wenn man zu viel Angst hat im Wettbewerb, geht man unter.“ Er habe die Kampagne selbst entworfen, fügt er mit ein wenig Stolz hinzu. Denn für eine teure Werbeagentur habe Mitsubishi Deutschland (0,8 Prozent Marktanteil, 30.400 Neuzulassungen in im Jahr 2009) kein Geld. Der Erfolg zumindest gibt dem Provokateur recht: Am ersten Wochenende nach dem Start des Flyers kamen seinen Angaben zufolge mehr als 20.000 Besucher in die Mitsubishi-Showrooms, darunter viele neue Gesichter. Mehr als 2500 Testfahrten wurden vereinbart und 280 Autos konnten verkauft werden. "Das war weitaus mehr als sonst an einem Februar-Wochenende. Unsere Händler sind begeistert“, freut sich van Vugt. Sein Ehrgeiz ist nun erwacht. Er will im Jahr 2010 auch ohne Abwrackprämie wieder die Marke von 30.000 Neuzulassungen in Deutschland knacken.