Frankfurt/Main. Toyota-Europa- Chef Didier Leroy konnte auf der IAA in Frankfurt gelassen die Stände der Konkurrenz besuchen, obwohl Toyota – abgesehen vom Avensis-Facelift – selbst keine wirklichen Neuheiten zeigte. Leroy aber weiß, was der japanische Gigant in der Pipeline hat: neue, emotionalere Fahrzeuge wie den FT 86 und eine erstaunliche Weiterentwicklung des Prius. Intern trägt das Projekt den Namen „Aqua“. „Fast alle Hersteller haben bei der IAA Hybride am Start. Für uns ist das doch eine sehr gute Nachricht“, sagte Leroy im Gespräch mit der Automobilwoche. „Wir sehen darin eine späte Anerkennung durch unsere Wettbewerber.“ Toyota habe inzwischen 2,3 Millionen Einheiten des Prius verkauft und stehe kurz davor, die nächste Stufe der Hybridisierung zu zünden, deutete Leroy an. Aus dem Unternehmen ist zu hören, dass der „Aqua“ mit zwei Trümpfen aufwarten soll: Zum einen soll er sich mit nur 3,1 Liter Sprit auf 100 Kilometer begnügen – 20 Prozent weniger als der Prius. Und zum anderen soll er zumindest in Japan etwa 15 Prozent weniger kosten als der Prius. Schon Anfang 2012 soll der neue Hybrid- Kleinwagen dort im Handel verfügbar sein. Ob er allerdings auch in Europa angeboten wird, ist ungewiss. Hier will Toyota zunächst die Prius-Familie und dann den Yaris Hybrid ausrollen.
Mit "Aqua“ aus dem Sumpf
Mit Fahrzeugen wie dem „Aqua“ will sich Toyota aus der Starre lösen, die den Autogiganten durch die Massenrückrufe und die Tsunami-Folgen erfasst hat. Von März bis Ende Mai standen die Bänder in Japan still. Seit Juni aber wurde die Produktion laufend hochgefahren. Im September konnte sie sogar dank einiger Zeitarbeiter über Plan erhöht werden. „Die IAA ist ein Wendepunkt für uns. Der Tsunami ist abgehakt“, sagt Deutschland-Vizepräsident Ulrich Selzer. Er peilt in diesem Jahr noch rund 85.000 Einheiten an, rund 5000 weniger als ursprünglich geplant. Das ist keine Kleinigkeit, doch Selzer freut sich über bereits 1000 „blinde“ Kaufverträge für den neuen Yaris und eine hohe Nachfrage nach den neuen Prius-Modellen. „Wir werden nicht so viele geliefert bekommen, wie wir verkaufen könnten“, prognostiziert er bereits.
Verunsichern lässt sich auch der frühere Deutschland-Chef Alain Uyttenhoven nicht, inzwischen europäischer Produktplanungsund Marketingchef. 2011 wolle Toyota in Europa noch knapp 900.000 Einheiten verkaufen, so Uyttenhoven. Das wären immerhin 20.000 mehr als im Vorjahr. 2013 wollen die Japaner dann wieder die Millionen-Grenze in Europa knacken, die sie zuletzt 2008 überschritten hatten. Schritt für Schritt soll Toyotas Modellpalette hybridisiert werden. Von heute zehn Prozent soll der Anteil der Hybridfahrzeuge bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent steigen. Uyttenhovens Kalkül: „Wir haben bei den Hybridmodellen mit etwa 60 Prozent eine deutlich größere Eroberungsquote als bei Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb.“