Bergisch Gladbach. Die deutschen Automobilzulieferer blicken überwiegend optimistisch auf das laufende und kommende Jahr. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Center of Automotive Management (CAM). Dabei stehen die größeren und stärker internationalisierten Zulieferer in der nach 2013 zum zweiten Mal online durchgeführten Umfrage deutlich besser da. Insgesamt 125 leitende Manager von Unternehmen in Deutschland hatten sich beteiligt. Im Jahr 2014 war bei 59 Prozent der Firmen die Mitarbeiterzahl gestiegen, während nur acht Prozent Rückgänge zu verzeichnen hatten. Unter den Zulieferern mit mehr als 500 Mitarbeitern vergrößerten sogar 74 Prozent ihre Belegschaft.
Ähnlich verhält es sich bei den Geschäftsaussichten: Bei den kleineren Zulieferern (KMU, unter 500 Mitarbeiter) beurteilt knapp die Hälfte die Perspektiven für 2016 positiv, bei den großen Zulieferern sind es dagegen fast zwei Drittel. Nur insgesamt zehn Prozent aller Zulieferer erwarten eine „schlechte“ oder „sehr schlechte“ Geschäftslage, ein Drittel beurteilt die Aussichten für 2016 immerhin als „befriedigend“. Auch im Rückblick sind die großen Unternehmen zufriedener als die KMU. Obwohl die mittelständisch geprägte Zulieferbranche in Deutschland stark verwurzelt ist, glaubt mit 54 Prozent die überwiegende Mehrheit der Manager, dass Deutschland als Produktions- und Entwicklungsstandort künftig an Bedeutung verlieren wird. Der größte Teil der Zulieferer ist mit 89 Prozent im westeuropäischen Ausland beziehungsweise mit 59 Prozent in Osteuropa aktiv, gefolgt vom NAFTA-Raum (56 Prozent) und China (51 Prozent).
Im Vergleich zur Befragung des Jahres 2013 sind die Zulieferer beim Auslandsengagement jedoch deutlich vorsichtiger geworden. Insbesondere die Russlandkrise schlägt hohe Wellen: Planten 2013 noch 23 Prozent der Zulieferer, in Russland aktiv zu werden, sind es aktuell nur noch neun Prozent. Auch die Neigung, in Osteuropa zu investieren, ging von 17 auf sieben Prozent zurück. Zudem sehen 54 Prozent der Unternehmen im steigenden Kostendruck eine wachsende Existenzgefährdung. Auch im Einkauf sehen die Zulieferer Gefahrenpotenzial. Zwei Drittel der Manager glauben, dass ein preisgetriebener Einkauf zwangsläufig zu Qualitätsproblemen führt. Dabei leiden die KMU deutlich stärker unter einem steigenden Kostendruck als große Zulieferer. Während knapp zwei Drittel der KMU der Aussage voll oder bedingt zustimmen, dass steigender Kostendruck ihre Existenz nachhaltig gefährdet, sind es bei den großen Firmen nur 41 Prozent. Für bedenklich hält es das CAM, dass 40 Prozent der Befragten nicht glauben, dass ihre Kunden ein Interesse daran haben, dass ihr Unternehmen nachhaltig wirtschaften kann. Einig sind sich die Zulieferer in der Rolle von Innovationen: Produkt- beziehungsweise Prozessinnovationen stellen demnach für 86 Prozent der Befragten einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil dar.