München. Die Automobilhersteller werben verstärkt mit umweltfreundlichen Modellen. Viele der Innovationen dafür stammen aus den Entwicklungsabteilungen der Zulieferindustrie. Sabic Innovative Plastics etwa, ein Tochterunternehmen des saudischen Erdölverarbeiters Sabic, legt bei dem Thermoplast Valox iQ besonderen Wert auf dessen Recyclingfähigkeit. Aus weggeworfenen Plastikflaschen entsteht ein einfärb- und lasermarkierbarer technischer Thermoplast, aus dem sich beispielsweise auch Karosserieteile herstellen lassen. „Wir verspüren auf jeden Fall eine verstärkte Nachfrage nach umweltverträglichen Materialien“, bestätigt Andreas Maashoff, Director Industrial Design in der Europa-Zentrale von Johnson Controls in Burscheid.
Auch bei dem US-amerikanischen Unternehmen wird der Aspekt Recyclingfähigkeit der dort entwickelten Dual-FaserTec-Polsterauflagen betont. Nach Angaben des Zulieferers sind die aus Kokosfasern und Latex bestehenden Polsterauflagen wegen hoher Luftdurchlässigkeit und der Fähigkeit des Materials, große Mengen Feuchtigkeit aufzunehmen, zudem besonders komfortabel. Der Materialverbund ersetzt konventionelle Polyurethan-Schäume. Bei der Herstellung lassen sich Werkstoffe wie Schaum und Kleber einsparen, da das Bekleben des Sitzkissens mit einem weichen Schaum entfällt.
Ein weiterer Trend sind für den Zulieferer sogenannte natürliche Öl-Polyole. Dabei handelt es sich um Kunststoffschäume auf Basis organischer Stoffe wie Palmfett, Raps, Palm-, Soja- und Rizinusöl. Diese werden verwendet, um beispielsweise Lösungsmittel in Sitzschäumen zu ersetzen. Zudem arbeiten die Burscheider an leichten Sitzstrukturen. Erreicht wird die Gewichtsreduzierung dabei unter anderem durch den Verzicht auf Materialdoppelungen. „Naturfaserwerkstoffe, die bislang für den Fahrzeuginsassen nicht zu sehen waren, weil sie unter anderen Materialien verborgen blieben, werden nun auch im sichtbaren Bereich verwendet“, erläutert Maashoff.