München. Der Software-Hersteller Microsoft will seine Position als Automobilzulieferer weiter ausbauen - und sich hierbei auf das Infotainment konzentrieren. "Wir machen im Automotive-Bereich nur Infotainment - aber das machen wir gut. Sicherheitsrelevante Applikationen sind nicht unser Thema", sagt Oliver Riekenbrauk, Marketingmanager von Microsoft für das Automotive-Geschäft in Europa.
Den Durchbruch in der Branche erzielte Microsoft, als sich die Volumenhersteller Ford und Fiat für Infotainment-Plattformen des US-Softwaregiganten entschieden. So hat Ford mit dem erst im Herbst vergangenen Jahres in Nordamerika eingeführten Multimedia-System Sync bereits 30.000 Autos ausgestattet. Bis 2009 sollen eine Million Ford-Fahrzeuge damit ausgerüstet werden. Das System bietet unter anderem den Anschluss aller gängigen Media-Player und aller Bluetooth-fähigen Mobiltelefone an die Audioanlage des Fahrzeugs.
"Sync ist in kürzester Zeit ein Hit geworden", freut sich Ford-Entwicklungschef Derrick Kuzak. Vor allem bei den umworbenen Neukunden und jüngeren Autokäufern sei Sync begeht. So haben im ersten Quartal schon 40 Prozent der Käufer eines Ford Focus in den USA eine Sync-Ausstattung dazubestellt - und diese Kunden waren merklich jünger als die Focus-Klientel vor einem Jahr, als es noch kein Sync gab.
Ein ähnliches, technisch etwas einfacher gestricktes System hat Fiat mit dem Windows-basierten Blue&Me lanciert. Über 80 Prozent der neuen Fiat 500 sind damit ausgerüstet. "Standardisierte Plattformen als Basis für flexible Infotainment-Lösungen wie Blue&Me mit einer kurzen Entwicklungßeit sind heute von der Industrie gewünscht", sagt dazu Giuseppe Bonollo, Produktportfolio-Chef der Fiat-Gruppe.
Continental nutzt künftig die neueste Microsoft-Software MS Auto 3.0, um seine auf der IAA in Frankfurt vorgestellte Multimedia-Plattform (MMP) zum Technologieführer zu machen. Zusätzlich zu Sync und Blue&Me, die mit älteren Versionen von MS Auto arbeiten, kann die Conti-MMP auch als Zentralcomputer zur Steuerung von Fahrzeugfunktionen wie Klimaanlage und Fahrerassistenzsysteme dienen. Der Marktstart ist 2009 vorgesehen.
Ein Hauptvorteil der neuen Systeme sei ihre Updatefähigkeit, sagt Microsoft-Manager Riekenbrauk. "Das Problem war bisher: Schon beim Launch eines neuen Autos war der Infotainment-Teil veraltet." Microsoft will die Autohersteller deshalb dazu in die Lage versetzen, bei einer Neuentwicklung oder bei einem Facelift eine neue, updatefähige Infotainment-Plattform einzubauen.
Wesentlich zum Erfolg in diesem Segment trage die Plattform-Strategie von Microsoft bei. Riekenbrauk: "Dadurch verkürzen wir die Entwicklungs- und Testzeiten um 50 Prozent." So sei es gelungen, das Sync-System für Ford in nur drei Wochen für das iPhone von Apple tauglich zu machen.