Frankfurt /Main. Der VW-Konzern steht als Folge des Abgasskandals nach Einschätzung eines Managementexperten vor massiven Umwälzungen in den oberen Führungsetagen und vor einer Wende hin zur Elektromobilität. "Ich gehe davon aus, dass in den nächsten drei Jahren bis zu einem Drittel aller Führungskräfte auf den ersten drei Ebenen ausgetauscht werden", sagte Harald Linné, Managing Partner des Interims-Management-Anbieters Atreus, der Automobilwoche. "Volkswagen muss sein Sauber-Image zurückerobern. Und das muss sich auch sichtbar im Spitzenpersonal ausdrücken." Der neue Vorstandsvorsitzende Matthias Müller sei "gut gestartet" und habe erste wichtige Personalentscheidungen getroffen. "Volle Punktzahl dafür bisher. Aber dabei steht er erst am Anfang. Die alten Seilschaften und Machtstrukturen in vielen Abteilungen müssen aufgebrochen werden", so Linné.
Entscheidend sei, dass Compliance-Regeln auch umgesetzt werden. "Compliance muss von ganz oben nach unten gelebt werden."
In der VW-Führung hätten traditionell Maschinenbauer das Sagen gehabt. Dies sei aber angesichts der Herausforderungen zu einseitig. "Wer nicht Benzin im Blut hatte, gehörte nicht zum Kern. Das wird jetzt infrage gestellt", so Linné. "Jetzt gibt es eine Art Kulturkampf über die technologische Ausrichtung."
Linné erwartet, dass Volkswagen künftig weit stärker als bisher elektrische und Hybridantriebe in seine Fahrzeuge einbauen wird. "Die Dieseltechnik ist zwar noch ausbaufähig, aber kostenmäßig kommt sie an ihre Leistungsgrenze", so die Einschätzung des Restrukturierungsexperten. "Deshalb muss Volkswagen jetzt massiv in die Elektromobilität investieren. Auch in neue Experten, die sich beispielsweise in der Batterietechnik auskennen."