Radebeul. "Das ist doch schon lange her", winkt Rainer Gommlich ab. Der Geschäftsführer des Autohauses Gommlich in Radebeul bei Dresden will kein großes Aufheben darum machen, dass er mit seinem VW-Handels- sowie VW-, Audi- und Skoda-Servicebetrieb Anfang 2007 vom ADAC als bester Gebrauchtwagenhändler Deutschlands ausgezeichnet worden ist.
Dabei fanden die Tester des Clubs jede Menge lobende Worte für das Familienunternehmen an der Sächsischen Weinstraße. Freundliche und kompetente Beratung und gute Organisation wurden gelobt. Kurzum, hier könne sich der Kunde als König fühlen, urteilte der ADAC.
Diese Kundenorientierung liegt dem 60-jährigen Firmenchef besonders am Herzen. Vier seiner insgesamt 45 Mitarbeiter sind daher Serviceberater. Sie sind der erste Ansprechpartner, wenn Kunden in die Werkstatt kommen. "Entstehen dort Wartezeiten, kann das fatal sein", ist er überzeugt. "Der Kunde kommt morgens doch häufig schlecht gelaunt ins Autohaus, weil er Geld ausgeben muss. Wenn diese Menschen nicht ganz freundlich bedient werden, verstärkt sich deren negative Grundstimmung noch."
Kundenzufriedenheit beginnt für ihn aber mit der Zufriedenheit der Mitarbeiter. "Menschen, die privat mit sich im Reinen sind, kommen auch zufrieden zur Arbeit." Gommlich legt deshalb Wert darauf, seine Mannschaft morgens persönlich zu begrüßen, um reagieren zu können, "wenn einer eine Fleppe zieht", wie er es ausdrückt.
Damit er solche Dinge rechtzeitig registrieren kann, hat er sein Büro im Erdgeschoss, von wo aus er sehen kann, wenn jemand den Schauraum betritt. Bei der Neuplanung des Gebäudes sollte er ursprünglich ein Büro in der zweiten Etage beziehen. "Das geht doch nicht. In einem Handwerksbetrieb kann der Chef nicht in den Wolken sitzen", amüsiert er sich über die Planung der Architekten.
Rainer Gommlich leitet den Betrieb in zweiter Generation. Sein Vater hatte das Unternehmen 1930 gegründet und 1976, exakt zum 65. Geburtstag, an ihn übergeben. Damals, zu DDR-Zeiten, wurden dort Wartburg und Trabant repariert. "Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, dass die Kunden wegen eines Reparaturtermins anstanden." Doch er trauert den alten Zeiten nicht nach, denn "allein um den Gewerbeschein musste ich ein Jahr lang kämpfen."
Heute geht es eher darum, die Kunden ins Autohaus zu holen. Dabei will der Chef etwas mehr bieten als nur blank geputzte Karossen im Ausstellungsraum. Seit 1995 wird das Autohaus daher auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Neben Dixieland-Konzerten und Ausstellungen gibt es auch regelmäßig literarisches Kabarett. "So kommen auch Leute ins Autohaus, die sonst vielleicht Schwellenangst hätten."