München. Die Krise bei den Autoherstellern trifft die Zulieferer mit voller Wucht. So muss das US-Unternehmen Tower Automotive mehr als zehn Schichten in seinem Rohbauwerk in Duisburg streichen, Kabelhersteller Leoni nimmt seine Gewinnprognose zurück, und Voestalpine verschiebt die Entscheidung über den Bau eines Stahlwerks auf 2009. Grund sind die Produktionskürzungen der Autohersteller. „Die Spannweite reicht von nur angekündigten Kürzungen bei Aufträgen bis hin zu kompletten Stornierungen bis zum Jahresende“, so der Vertriebschef eines Schmiede- Betriebs. „Die Autohersteller weigern sich, ihre festen Bestellungen abzunehmen“, ärgert er sich darüber, dass er vorerst auf den Lagerbeständen sitzen bleibt.
VDA-Präsident Matthias Wissmann sorgt sich bereits um die Liquidität der Zulieferer. Er fordert, dass die Banken „ihrer Verantwortung gerecht werden und die Kreditversorgung gegenüber den vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen sicherstellen“. Auch die Autohersteller sind sich der ernsten Lage ihrer Lieferanten bewusst: BMW-Einkaufsvorstand Herbert Diess fürchtet sogar eine Zunahme von Pleiten in der Zulieferindustrie. „Wir arbeiten eng zusammen mit den Einkaufsabteilungen unserer Premium- Wettbewerber, um die Zulieferer zu unterstützen, die in Schwierigkeiten sind oder geraten könnten. Eine mögliche Lösung ist es, die Preise für eine bestimmte Zeit anzuheben“, so Diess. Das solle aber die Ausnahme bleiben.
Wolfgang Meinig, Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg, geht jedoch von einem anhaltenden Preisdruck seitens der Autohersteller aus. Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research, rechnet mit Produktionsverlagerungen nach Osteuropa. Mehr noch: „Zulieferer werden 2009 um Entlassungen nicht herumkommen.“ Keinen Grund zum Pessimismus in Europa sieht Arndt G. Kirchhoff, Chef von Kirchhoff Automotive. Zwar rechnet er mit weiteren Produktionskürzungen der Fahrzeughersteller, „doch wenn wir panisch werden, wird es auch nicht einfacher.“